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Die Helfer

Sie verteilen Kleidung und geben Deutschkurse, beraten bei der Jobsuche und unterstützen bei Behördengängen: Ohne Ehrenamtliche ist die Versorgung der Flüchtlinge nicht zu bewältigen. Doch wie lange halten sie noch durch? Unsere Titelreportage »Die Helfer« im neuen Publik-Forum
von Barbara Brüning vom 11.02.2016
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Wunderschön sieht er aus, der Hundertwasser-Bahnhof in Uelzen. »Erleben Sie eine kompetente Führung durch speziell ausgebildetes Personal, das Ihre Fragen stets fundiert beantworten kann«, steht auf der Internetseite des Bahnhofs. Doch Ijos Bietzker hat bisher niemanden gefunden, der seine Frage beantworten könnte. Sie lautet: Wo sollen die Flüchtlinge, die Nacht für Nacht auf diesem Bahnhof stranden, weil es zwischen 23.46 und 5.01 Uhr keine Möglichkeit zur Weiterfahrt gibt, die kältesten Stunden der Nacht verbringen?

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Im November vergangenen Jahres erfuhr Bietzker über Facebook, dass Menschen in der Unterführung des Bahnhofs auf blankem Stein schliefen. Also packte er Isomatten, Thermoskanne und Kekse ein und fuhr einfach mal hin. Und war entsetzt über das Bild, das sich ihm bot. Der Wartesaal ist abgeschlossen. Abgesehen davon, ist er nicht beheizt. Die Menschen, die ankommen, sind aber häufig völlig durchnässt. Sie frieren, sind krank und furchtbar erschöpft, sagt Bietzker.

Ijos Bietzker kennt die Strukturen und die Verantwortlichen in Uelzen und Umgebung. Er hat telefoniert, vorgesprochen und wieder telefoniert. Für diese Menschen ist niemand zuständig. Würden sie in Uelzen bleiben wollen, sähe es anders aus. Aber sie wollen weiter, Verwandte treffen, haben Ziele, von denen sie sich etwas versprechen. Sie sind dringend auf Hilfe angewiesen.

Menschen wie Bietzker und seine kleine Gruppe in Uelzen helfen, sehr viel Leid zu mindern. Sie springen spontan, unbürokratisch und flexibel dort ein, wo die öffentlichen Hilfsorganisationen versagen. Niemand weiß, wie viele sich derzeit in ihrer Freizeit für Flüchtlinge engagieren. Laut einer Studie des Berliner Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) sind es überwiegend Frauen, die meisten sind gut gebildet und wirtschaftlich in einer relativ sicheren Position.

Die Helferinnen und Helfer begleiten bei Behördengängen, sammeln Spenden, verteilen Kleider und Lebensmittel, geben Deutschkurse, betreuen Kinder und versuchen Jobs und Wohnungen zu vermitteln. Sie verschließen ihre Augen nicht vor der menschlichen Not. Doch je länger diese Situation andauert, umso mehr gelangen auch die Helfer an ihre Grenzen.

»Ich weiß nicht, was inzwischen schon passiert wäre, wenn wir nicht Nacht für Nacht dort hingingen, die Menschen einsammelten, in unseren kleinen beheizbaren Raum bringen würden, den uns die Bahnhofsmission inzwischen zur Verfügung gestellt hat«, sagt Bietzker. »Und ich möchte es mir nicht ausmalen.«

Als Mediziner weiß er, wovon er spricht. Erwachsene und Kinder mit Fieber, mit Husten, mit Windpocken. Schwangere, Säuglinge – sie alle bekommen inzwischen ein Bett, Tee, eine warme Mahlzeit, falls sie nicht so müde sind, dass sie auf der Stelle einschlafen. Außerdem frische Wäsche, eine Dusche. Das alles hat die kleine Gruppe von Helfern ohne nennenswerte Unterstützung durch öffentliche Stellen auf die Beine gestellt. Im Gegenteil: Von einem Mitarbeiter des DRK bekam eine der Helferinnen auf die Frage, was er denn tun würde, wenn ein Säugling sterben würde, die zynische Antwort: »Dann fahren Sie eben nach Passau und holen sich zehn neue.« Das Beispiel vom Bahnhof in Uelzen ist extrem, aber sicher kein Einzelfall. (...)

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Schlagwort: Flüchtlingshilfe
Publik-Forum
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