Do they know it's Christmas?
Der Toten-Hosen-Frontmann Campino tut es seinem Freund Bob Geldof gleich: Für die deutsche Version von »Do they know it’s Christmas?« trommelte er bekannte Bands, Sängerinnen und Sänger zusammen. Insgesamt sind es 29 Künstler, unter anderem Udo Lindenberg, Max Raabe, Anna Loos, Jan Delay, Marteria und viele mehr.
Wer eine originelle Neufassung des Songs erwartet hat, wird enttäuscht. Es bleibt die altbekannte und schon so abgenutzte Leier von 1984. Nur eben mit deutschem Text. Und eigentlich ist der ja auch egal. Jedenfalls betont das Campino: Nicht der Songinhalt stehe im Vordergrund, sondern die Geste und der Kampf gegen das tödliche Virus Ebola, für den das gesammelte Geld eingesetzt werden soll. Und weil es um eine gute Sache geht, solle man den Song doch trotzdem kaufen, auch wenn man ihn nervig fände.
Einkaufen, um ein gutes Gewissen zu haben? Obwohl man weder Nutzen noch Gefallen an der Ware hat? Klingt im Denkmuster einer kapitalistischen Leistungsgesellschaft befremdlich. Wer etwas gibt, erwartet meist eine angebrachte Gegenleistung. Einfach so Geld zu spenden, scheint in dieser Logik eine unkonventionelle Handlung zu sein. Deshalb bietet »Band Aid 30« ein Lied als Gegenleistung an. Aber muss das wirklich sein?
Der eigentliche Sinn des Spendens liegt ja gerade darin, sich frei zu machen vom Geben-Nehmen-Prinzip. Einfach so geben, ohne Gegenleistung und von Herzen – das ist Spenden. Wer genug hat und zufrieden ist, kann denen etwas abgeben, die weniger haben. Wer spendet, erkennt die Ungerechtigkeit dieser Welt und handelt.
Immerhin einen Schritt in diese Richtung macht »Band Aid 30«. Die Prominenten bringen Leistung, ohne eine Gage zu erhalten. Schade ist trotzdem, dass sie nicht auch den Anspruch hatten, etwas Gutes zu produzieren. Campino nannte es von Anfang an ein »Himmelfahrtskommando«, einen deutschen Text zum Lied zu schreiben – die Erwartungen wurden dementsprechend heruntergeschraubt. Das Ergebnis ist tatsächlich keine Meisterleistung.
Trotzdem ist es gut, dass die Medienmacher hinschauen, das Projekt wahrnehmen, darüber berichten. In vielen Medien wird der Song derzeit zerrissen, aber solch negative Kritik kann das Geheimrezept des Songs nicht zunichte machen: möglichst viele Menschen dazu zu bringen, an das Wichtigste im Leben zu denken – Nächstenliebe.
In dieser vorweihnachtlichen Zeit der Erwartung etwas abzugeben an andere und damit deren Erwartungen und Hoffnungen ein Stück weit zu erfüllen: uns daran zu erinnern, schafft der Song jedes Jahr aufs Neue. Er hat also sein Gutes. Let them know it’s christmas time.
