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Es werde Licht!

Noch fünf Tage bis Heiligabend. Und noch sieben Tage, bis das schönste Fest des Jahres uns hoffentlich glücklich zurückschauen lässt: »Schön war´s!«, möchten wir sagen können. Bis zum 26. Dezember begleitet Sie hier bei uns der Kalender »Weihnachten erleben«. Öffnen Sie den Text – und Sie öffnen ein Fenster. Was zu sehen sein wird? Schauen Sie einfach nach! Jeden Tag neu. Sieben Tage lang
von Britta Baas vom 20.12.2013
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(Foto: Jonathan Stutz/Fotolia.com, mod.)
(Foto: Jonathan Stutz/Fotolia.com, mod.)

Ein Mann, der einen Adventskranz auf dem Kopf trägt: Sehr seltsam! Bei uns zu Hause steht der Adventskranz ordentlich auf dem Tisch. Wenn die Kerzen brennen – nach und nach immer eine mehr –, achten wir darauf, dass sie das ruhig und gleichmäßig tun. Bloß kein Zimmerbrand! Der hätte uns, so kurz vor Heiligabend mit viel Besuch im Haus, gerade noch gefehlt.

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In diesem Jahr läuft es so wie schon viele Jahre zuvor: Am vierten Adventssonntag kommt Cousin Jörg uns besuchen und bleibt bis zum 24. Dezember. Sein Patenkind, mein Sohn Jan, hat dann nämlich Geburtstag. Das bedeutet: Am Heiligmorgen haben wir offenes Haus; viele Freunde meines Sohnes und beinahe ebenso viele Nachbarn kommen zum Gratulieren; es gibt Sekt und ein paar Kleinigkeiten zu essen. Meistens geben sich bis zum frühen Nachmittag etwa drei Dutzend Personen die Klinke in die Hand. Es ist ein fröhliches Chaos, ein riesiges Stimmengewirr und ein einfach unglaublicher Tag. Jedes Jahr neu. Wenn es an diesem Morgen nicht so wäre, wäre ich traurig.

Ab dem Nachmittag wird es etwas ruhiger bei uns; für ein paar Stunden sind wir deutlich weniger Leute. Das ändert sich spätestens vor dem Besuch des Weihnachtsgottesdienstes, zu dem wir im Pulk mit einem ganzen Schwung Nachbarn laufen. Und dann geht es ab dem ersten Weihnachtstag mit ganz vielen Menschen weiter: Wir treffen sämtliche Geschwister meines Mannes, auch alle meinigen, Eltern und Schwiegereltern, Nichten und Neffen, Freunde und Patenkinder.

Diese Zeit im Jahr macht mich sehr glücklich, denn all diese Menschen sehe ich oft monatelang nicht, weil sie an anderen Ecken Deutschlands und manche auch an anderen Ecken der Welt wohnen. Dass ich spätestens »zwischen den Jahren« zwei Tage totale Stille brauche, erklärt sich von selbst.

Unsere Weihnachts- und Geburtstagsrituale sind wie ein großer Strom, in den die tausendfache Sehnsucht nach dem wahren Leben zusammenfließt. Und deshalb wohl sehne ich mich jedes Jahr zu Weihnachten danach, dass es doch sein möge wie immer.

Könnte es auch anders sein? Eugen Biser, ein großer Theologe unserer Tage und mittlerweile eine sehr, sehr alter Mann, hat in ganz jungen Jahren über den Advent geschrieben. Er musste sich Gedanken über seine Sonntagspredigten machen, und das treibt ja bekanntlich so manchem den Schweiß auf die Stirn. Ihm sind zum Advent dabei aber erstaunliche Dinge eingefallen.

Worauf Christen warten, wenn sie den Advent wahr- und ernstnehmen, ist ja im Grunde klar: Sie warten – alle Jahre wieder – auf die Ankunft eines kleinen Kindes, das Großes bewirken wird. Aber sind sie, die Christen, eigentlich bereit für diese Ankunft? Für einen total neuen Anfang?

Eugen Biser fand, dass wir Menschen eine Neigung haben, uns im ständigen »Gericht zwischen dem Gewordenen und dem Werdenden schützend und verteidigend auf die Seite des Gewordenen zu stellen«. Wir könnten und wollten »von dem Bestehenden nicht lassen«, seien »Parteigänger des Gegebenen.«

Ich fühle mich ertappt. Hilfe, ich bin ja auch eine Parteigängerin des Gewordenen! Ich will, dass Weihnachten alles ist wie immer. Denn ist ja so schön...

Eugen Biser hält noch einen Gedanken für mich bereit, der die Sache wirklich unangenehm werden lässt. Er schreibt: »Advent heißt Ankunft, heißt im Grunde dies eine: dass das, was wir sind, doch unendlich hinter dem zurückbleibt, was uns bevorsteht. Denn dieses große Unbekannte, das auf uns zukommt, ist gar nicht das Nichts, wie uns die Verzweiflung immer wieder einzureden sucht. Es ist Gott.... Wir müssen buchstäblich über unseren eigenen Schatten springen, wenn in uns Advent werden soll.«

Ich muss also springen. Muss die Sehnsucht nach dem Schönen und immer Gleichen hinter mir lassen, um an etwas Neuem teilhaben zu können. Ich weiß nicht, was das sein wird. Aber so ist es eben mit dem Neuen. Es ist mehr, als meine Sehnsucht mich lehren kann.

Ein Mann, der einen Adventskranz auf dem Kopf trägt: Warum hat ausgerechnet jenes Foto all diese Gedanken entstehen lassen? Wahrscheinlich liegt es an der Bewegung, der Dynamik, die in diesem Bild steckt. Dieser Adventskranz wackelt! Es ist zu befürchten, dass die Kerzen tropfen werden, sobald jemand sie ansteckt. Und wenn er nicht aufpasst, der Mann, dann wird dieser Kranz ruck zuck auf der Erde liegen. Hier ist nichts sicher!

Während ich darüber nachdenke, was das für mich heißt, fällt mein Blick auf unseren Adventskranz im Wohnzimmer. Rote Kerzen, grüne Tannenzweige, bunte kleine Kugeln überall. Die ersten drei Kerzen haben schon gebrannt, am Sonntag kommt die vierte hinzu. (Lesen Sie weiter auf Seite 2)

Ich werde magisch angezogen. Schon stehe ich am Tisch und denke gerade noch: »Gut, dass mein Mann mich nicht sieht.« Dann hebe ich den Kranz an und lege ihn mir auf den Kopf. Er passt genau. Wunderbar! Ich gehe ein paar Schritte mit dem Kranz auf dem Kopf durchs Wohnzimmer und hinterlasse eine Spur rieselnder Tannennadeln. Das Wort »Staubsauger« wandert durch meine Gedanken. Aber dann ist es mir auf einmal egal, wie viel Unordnung ich hier gerade hinterlasse. »Anfangen«, denke ich. Anfangen, mit dem Anfang anzufangen.

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Personalaudioinformationstext:   Britta Baas, Historikerin und Theologin, ist verantwortliche Redakteurin für Publik-Forum.de
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