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Ausstellung »Praymobil« in Aachen
Blutende Kruzifixe und schwangere Madonnen

Die Ausstellung »Praymobil« in Aachen zeigt, wie greifbar Frömmigkeit im Mittelalter war – und warum wütende Winzer die Skulptur des Heiligen Urban gelegentlich die Treppe hinunterstießen.
von Birgit-Sara Fabianek vom 02.03.2026
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Beliebt bei Kindern: Der Palmesel mit reitendem Jesus wurde für die Palmsonntagsprozession auf ein Podest mit Rädern montiert. (Foto: Anne Gold / Suermondt-Ludwig-Museum  Aachen)
Beliebt bei Kindern: Der Palmesel mit reitendem Jesus wurde für die Palmsonntagsprozession auf ein Podest mit Rädern montiert. (Foto: Anne Gold / Suermondt-Ludwig-Museum Aachen)

Die Skulptur hat viel durchgemacht. Nach der Reformation sortierte man sie als Christusfigur aus. Dann bekam sie als Heiliger Urban eine neue Rolle und stand im Fenster eines Glockenturms – mit Blick auf die Reben. Jetzt liegt sie hinter Glas in einer Vitrine im Aachener Suermondt-Ludwig-Museum und bietet der Besucherin einen bemitleidenswerten Anblick: das Holz zerkratzt, malträtiert, die Nase abgebrochen, ein Arm verstümmelt, die Füße fehlen. Der Heilige Urban hatte im Mittelalter einen undankbaren Job. Als Schutzpatron der Winzer sollte er die Ernte schützen. Blieb der Erfolg aus, weil etwa der Frost die Reben beschädigte, ließen die Winzer ihren Frust an der Figur aus, warfen sie wütend die Treppe hinunter oder schleiften sie durch den Dreck. Verantwortung führte im Mittelalter schnell zu Bestrafung – Heilige wie Urban mussten dann als Sündenböcke herhalten. Schriften und Gemälde zeigen auch, wie man Nikolausskulpturen züchtigte, wenn sie ihren Auftrag als Schutzpatron der Kaufleute nicht erfüllten. Und wenn die Muttergottes nicht spurte, raubte man ihr Kind. Obwohl die Reformation solche Bräuche offiziell als Aberglauben verbannte, setzten sich derlei Angriffe noch eine Weile fort.

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