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Kolumne von Anne Lemhöfer
An Einhörner glauben

»Kann so etwas wieder passieren?«, fragt der zehnjährige Sohn unserer Kolumnistin, als er im Fernsehen eine Sendung über Auschwitz sieht. Sie weiß nicht, was sie antworten soll. Und fragt sich: Wie kann man Kindern in diesen Zeiten den Glauben an das Gute vermitteln?
vom 11.02.2025
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(Illustration: istockphoto/iryna_boiko)
(Illustration: istockphoto/iryna_boiko)

Es gibt eine Zeit in der Kindheit, die in der Wissenschaft »magische Phase« heißt. Sie dauert etwa bis zum fünften Lebensjahr. In der magischen Phase halten es Kinder für möglich, dass vielleicht doch eines Tages ein Einhorn auf der Pferdekoppel steht, inmitten von braunen und gefleckten Ponys. Dass sie Prinzen und Prinzessinnen sein können, wenn sie es sich nur ganz doll wünschen. Dass eine Forscherin irgendwo auf der Welt bestimmt noch mal einem haushohen, leibhaftigen Dinosaurier begegnet. Irgendwann haben auch meine Töchter und mein Sohn, wie entwicklungspsychologisch vorgesehen, dann die Logik in ihr Denken integriert – was nicht heißt, dass Einhörner und Dinosaurier plötzlich keine Rolle mehr spielten. Bloß stehen die Dinos eben im Museum und die Einhörner galoppieren durch Erstlesebücher.

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