Kolumne von Anne Lemhöfer
Länger leben mit Matcha
Meine Freundin Jule trinkt neuerdings jeden Morgen einen Matcha, dessen Pulver sie direkt aus Japan bezieht. Genauer gesagt: aus der Region Kagoshima. Die Grünteeblätter, aus denen das Pulver gestampft wird, wurden beim Anbau 21 Tage beschattet. Das soll zur Folge haben, dass Jules Leben dafür besonders hell wird. Und vor allem: lang. Unendlich lang. Der Super-Matcha ist ein Teil ihrer »Longevity«-Ernährung. So wie 100 000 Japanerinnen und Japaner, die im vergangenen September 100 Jahre oder älter geworden sind, möchte auch Jule einmal eine Greisin mit dreistelligem Alter werden.
»Longevity« (gesprochen lon-sche-witii) heißt Langlebigkeit. Die Forschung dazu verkündet Dinge wie: »Die 120-Jahre-Grenze – Wie Biotech-Unternehmen das Altern neu programmieren wollen«. Es geht um gentechnische Eingriffe und epigenetische Uhren. Und um japanischen Tee. Ich fände es ja gut, wenn Jule 120 Jahre alt würde. Sie ist ein toller Mensch, es kann der Welt nur gut tun, wenn sie da ist. Vor allem aber müsste ich dann nicht an ihrer Beerdigung teilnehmen. Ich möchte nämlich nicht ewig leben, denke ich heute. Früher war ich aber durchaus offen für die Idee.
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Anne Lemhöfer, geboren 1978, ist Redakteurin bei der Frankfurter Rundschau und freie Autorin. Sie lebt mit ihrer Familie in Frankfurt am Main. Die Kolumne schreibt sie im Wechsel mit Fabian Vogt und Peter Otten.

