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Patente Paten

Immer öfter gibt es für mich als Pfarrer in Taufgesprächen einen neuralgischen Punkt. So wie bei dem Paar, das letzte Woche vor mir saß und die gereimten Fürbitten der Verwandtschaft und den Karaoke-Beitrag des Schwiegervaters angekündigt hatte: »Du bist gewollt, kein Kind des Zufalls« in einer Rap-Version. Ich ahnte, was auf mich zukommen würde
von Fabian Vogt vom 09.06.2019
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Welcher Winzling braucht sie nicht? Jene patenten Paten, ohne die es im Leben einfach nicht geht? Da hält man schon mal nach ihnen Ausschau, während einem das Taufwasser über die Stirn rieselt. (Foto: istockphoto/Jason Doiy)
Welcher Winzling braucht sie nicht? Jene patenten Paten, ohne die es im Leben einfach nicht geht? Da hält man schon mal nach ihnen Ausschau, während einem das Taufwasser über die Stirn rieselt. (Foto: istockphoto/Jason Doiy)

... Nämlich der Satz, den wir Geistlichen inzwischen fürchten wie angeblich der Teufel das Weihwasser: »Wissen Sie, Herr Pfarrer, wir haben zwei ganz tolle Paten für unseren Schnuckiputz gefunden. Da ist es doch nicht schlimm, dass die beiden nicht in der Kirche sind, oder?«

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Äh? Doch! Also, »schlimm« ist das falsche Wort, aber sowohl theologisch als auch kirchenrechtlich ist das nicht ganz ohne. Wie soll denn jemand, der nicht in der Kirche ist und sich von ihr distanziert, seinem Patenkind die Schönheiten des Glaubens nahebringen?

An dieser Stelle ertönte (wie jedes Mal) der empörte Aufschrei des frisch gebackenen Vaters: »Was hat denn das eine mit dem anderen zu tun?!« Woraufhin (ebenfalls vorhersehbar) eine moderne Form der Heiligenlitanei folgte: »Meine Kusine Penelope ist ein unglaublich spiritueller Mensch. Sie betet regelmäßig, kennt die Bibel viel besser als die meisten Karteileichen-Christen in Ihrer Gemeinde und ist sogar schon mal sechs Kilometer auf dem Jakobsweg gepilgert. Und Jochen, der zutiefst religiöse Kollege meiner Frau, der war früher sogar bei den Pfadfindern und weiß heute noch, wie man eine Jurte aufbaut. Man kann doch auch ohne Kirche leidenschaftlich und intensiv glauben. Oder etwa nicht?«

Nach diesem Ausbruch starren mich dann regelmäßig zwei erboste Augenpaare an – und manchmal habe ich das Gefühl, sogar der Säugling nimmt mich ins Visier, weil ich ihm diese tollen Menschen als Paten vorenthalten will. Geduldig antworte ich (wie jedes Mal): »Nun, die Taufe ist ja zugleich die Aufnahme in die kirchliche Gemeinschaft der Christinnen und Christen. Und da kann es ja nicht schaden, wenn zumindest ein Pate Mitglied dieses Miteinanders ist. Ich kann … äh … Penelope und Jochen gerne als ›Taufzeugen‹ mit aufnehmen und in den Gottesdienst integrieren. Aber ein richtiger Pate wäre schon schön.«

Natürlich kann man ohne Kirche glauben, aber eine lebendige Glaubensgemeinschaft ist wichtig. Abgesehen davon, dass die enthusiastisch gepriesenen Vorzeige-Christen im Taufgottesdienst dann meistens doch beim Vaterunser verschämt auf den Boden gucken, weil sie es nicht können.

Umso erfreulicher war das Taufgespräch, das ich direkt am Tag darauf hatte. Obwohl ich zugeben muss, dass ich erst nichts Gutes ahnte, denn die Mutter begann mit: »Meine Schwester soll Patin für unseren Johannes werden, aber die ist nicht in der Kirche.« Doch dann fügte sie hinzu: »Also nicht in Deutschland. Sie lebt in den USA, und da gibt es ja nicht so eine Kirchenmitgliedschaft wie bei uns. Aber sie hat eine Empfehlung ihrer Gemeinde geschickt. Reicht das?«

In dem Schreiben stand dann wörtlich: »Kerstin liebt Jesus von ganzem Herzen. Sie engagiert sich an vielen Stellen in unserer Gemeinde und singt in der Lobpreisband. Wir glauben, sie wird eine wundervolle Patin sein.«

Hey, dachte ich spontan, das reicht nicht nur, das ist sogar viel besser als nur eine knochentrockene »Kirchenmitgliedsschaft-Bescheinigung«. Denn mal ehrlich: Die sagt doch auch nichts aus. Oder?

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Personalaudioinformationstext:   Fabian Vogt, geboren 1967, ist evangelischer Pfarrer, Kabarettist im »Duo Camillo« und Schriftsteller. Er lebt mit seiner Familie im Taunus.
Schlagwörter: Glaube Kirche Taufe
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