Sieben Wochen weniger nörgeln
Publik-Forum: Das Motto der diesjährigen Fastenaktion lautet: »Du bist schön! Sieben Wochen ohne Runtermachen«. Wie geht das?
Susanne Breit-Keßler: Statt die Menschen um mich herum zu kritisieren, kann ich sie doch auch loben und ihre guten Gaben hervorheben.
Es ist also nicht gemeint, dass ich mich selbst wohlwollender anschauen soll?
Breit-Keßler: Doch, natürlich auch. Denn: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.« Wer sich selber nicht leiden kann, kann auch den anderen nicht leiden.
Ist das mehr ein Frauenmotto?
Breit-Keßler: Ja, auch. Frauen neigen mehr als Männer dazu, sich selbst und die eigenen Geschlechtsgenossinnen schlechtzumachen. Das muss ein Ende haben! Da bringt das Motto mehr Freiheit ins Leben.
Was hat denn dieses Motto mit dem religiösen Sinn der Fastenzeit – Vorbereitung auf Ostern – zu tun?
Breit-Keßler: Mit der Fastenaktion zielen wir darauf ab, die eigene Haltung zu ändern und eine neue Einstellung zum Leben zu gewinnen. Die Auferstehungsbotschaft von Jesus lautet: »Ich lebe – und auch ihr sollt leben!« Wenn wir Gott recht sind, wie wir sind – wer sind wir dann, wenn wir uns selbst zerstören oder runtermachen?
Was gefällt Ihnen am Motto »Du bist schön!« besonders?
Breit-Keßler: Dass es sinnenfroh ist. Askese und Verzicht heißt ja nicht, dass ich griesgrämig herumlaufe, sondern dass ich aus diesen Fastenwochen gestärkt herausgehe, weil ich alte Routinen meines Lebens durchbrochen und neue Erfahrungen gemacht habe.
Wie kann denn so eine Änderung der Routine aussehen?
Breit-Keßler: Indem ich morgens aufstehe und im Spiegel nicht jede einzelne Falte zähle, sondern mir sage: »Ich lebe! Danke, Gott! Das ist wunderbar!« Und dass ich meinem Arbeitskollegen sage: »Das ist eine schöne Geschichte, die du da erzählt hast.«
Die Frau auf Ihrem Poster hat für ein Model eine ungewöhnliche Nase. Haben Sie sie deshalb ausgewählt?
Breit-Keßler: Ja, wir wollen Mut machen zu sagen: Du bist schön, weil du gerade keiner Schönheitsnorm entsprichst.
Haben Sie sich für die Fastenzeit schon etwas vorgenommen?
Breit-Keßler: Ich werde mich auch selber an das Motto halten: sieben Wochen nicht runtermachen. Es beschwingt und beflügelt mich. Das ist doch auch zutiefst christlich: Wir dürfen uns am Leben und am anderen freuen, wir müssen nicht dauernd nörgeln.
