Spiritualität – das dubiose Wort
»Das Wort treibt seinen Schabernack mit uns«, sagt Fulbert Steffensky. Der Begriff der Spiritualität ist ihm suspekt geworden, seit er es immer öfter und in immer seltsameren Kombinationen zu lesen bekommt: »Spiritualität und Gesundheit. Spiritualität des Geldes. Spiritualität des Radios. Spiritualität und Management.« Dann verzieht er sein Gesicht, fühlt sich wie ein alter mürrischer Mann und fragt sich, warum das eigentlich so ist.
Der ehemalige Benediktiner und spätere evangelische Theologieprofessor führt ein Selbstgespräch, in dem er sich fragt, ob die modernen spirituellen Angebote (»Dialog mit Steinen«, »Hormon-Yoga für Frauen«, »Instinkternährung« ) nicht eher wie Fast Food sind. Wird der große seelische Hunger unserer Zeit mal eben mit wenig Substanz bedient? Ob wir den allumfassenden Gott für unsere Wellness missbrauchen? Behandeln wir ihn wie eine »Milchkuh, in deren Stall wir nur steigen, wenn wir sie melken wollen«?
Dann aber widerspricht er sich und stellt seine eigene Kritik an den neuen spirituellen Formen in Frage. Er schimpft sich selbst einen »alten griesgrämigen Mönch« und wirft sich vor: »Du verachtest das Spiel und willst die Heiterkeit verbannen, wie es die Kirchen lange genug getan haben!«
Wie diese humorvolle, hochemotionale und tief theologische innere Debatte ausgeht, erfährt man in der aktuellen Publik-Forum-Ausgabe.
