Trost und Entsetzen
Eine rätselhafte Seuche ging um im Mittelalter. Sie löste Halluzinationen aus, führte zu schmerzhaften Krämpfen und ließ die Gliedmaßen absterben und verfaulen. In ganz Europa raffte sie tausende Menschen dahin oder machte sie zu Krüppeln. Da
die Kranken das Gefühl hatten, innerlich zu verbrennen, nannte man die Krankheit »Antoniusfeuer«. Eine Therapie gab es nicht. Anfang des 16. Jahrhunderts beauftragten Antonitermönche im Dörfchen Isenheim den Maler Mathis Gothard Nithard, besser bekannt als Matthias Grünewald, Bilder für den Altar ihrer Kapelle zu malen – sie sind heute im Unterlindenmuseum in Colmar zu sehen. Nach mittelalterlicher Auffassung wirkte es heilend, wenn man Meditationsbilder betrachtete und sich mit den dargestellten Figuren identifizierte. Deshalb führten die Mönche die Erkrankten vor den Flügelaltar: Sie sollten erkennen, dass Jesus ebenso gelitten hatte wie sie. Erst im 17. Jahrhundert erkannte man, dass ein Getreidepilz, das giftige Mutterkorn, Auslöser der Krankheit war.
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