Wenn ich bei Mutter bin
Sie wartet auf mich an diesem frühen Morgen. Die Luft in ihrem Zimmer riecht abgestanden nach der langen Nacht. Ich trete an ihr Bett. »Guten Morgen!« Wir schauen uns in die Augen, dann schlage ich die Bettdecke zurück. Da liegt meine Mutter, altersschwach, 93 Jahre alt, Arme, Beine und Rumpf kann sie kaum noch bewegen. Ich fahre das Kopfteil des Bettes hoch, damit der Oberkörper aufgerichtet wird. Mit einem Arm unterstütze ich sie am Rücken, mit dem anderen fasse ich unter ihre Beine und drehe sie so, dass sie auf der Bettkante sitzen kann. Ein enger Kontakt schon früh um sieben, für den ich Stabilität und Kraft brauche. Dann gehe ich in die Hocke, ziehe die Schuhe an ihre reglosen, geschwollenen Füße. Mit meiner Hilfe steht meine Mutter schließlich zitterig am Rollator. Da streife ich das rosarote Nachthemd hoch, atme tief ein und öffne die satt gefüllte Windel. Der Geruch von Urin trifft mich ins Gesicht. Hastig nehme ich ihre Windel ab und verschließe sie dicht. Ich sage nichts, halte mich zurück.
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