Willkommen!
Wer einmal die überwältigende Gastfreundschaft einfacher Menschen in fremden Ländern erlebt hat, die ihr letztes Brot mit einem Fremden teilen, ist zutiefst beschämt über das, was Flüchtlinge aus diesen Ländern in Deutschland zum Teil erleben. »Flüchtet weiter«, lautet der zynische Spruch auf einem der Plakate bei einer Anti-Ausländer-Demonstration. Zum Glück gibt es viele andere Menschen, die sich um eine Willkommenskultur bemühen und für Flüchtlinge da sind. Gerade in den Kirchengemeinden wächst ihre Zahl. Einige gehen sogar so weit, Flüchtlinge illegal bei sich zu Hause zu verstecken, um sie vor der Abschiebung zu schützen.
Das Kirchenasyl oder, noch früher, das Tempel-Asyl, wo Verfolgte der Gottheit unterstanden, ist eine der ältesten kulturellen Errungenschaften. »Jedes Klopfen an der Tür ist ein Segen Gottes«, heißt es bei den Muslimen in Albanien. Alle Religionen schätzen das Gastrecht, denn offene Türen bedeuten berührbare Herzen.
Wir wissen ohnehin: Wir sind selber nur Gast auf Erden. Wir bewohnen diese wunderbare Herberge und werden sie eines Tages wieder verlassen müssen. Als Gäste tragen wir Verantwortung dafür, das Gasthaus zu pflegen, damit es auch eine Herberge für die Nachkommenden bleiben wird. Welche Signatur, welchen Eintrag hinterlassen wir in dem großen Gästebuch der Generationen?
In diesem EXTRA erzählen Menschen, die sich auf eine Weltreise begeben haben, dass Gastfreundschaft universal ist. Ein Performance-Künstler verführt die Menschen, ihre Tische zu tauschen, um Fremde daran Platz nehmen zu lassen. In einer Pilgerherberge auf dem Jakobsweg wird Gastfreundschaft ein elementares Erlebnis: ein kühles Getränk, eine warme Salzwasserschüssel für die geschundenen Füße. Und mit dem Auge eines Biologen betrachtet, ist jeder Mensch von Haus aus überaus gastfreundlich, denn auf unserer Haut beherbergen wir Abermilliarden Bakterien und Pilze, die uns sehr nützlich sind.
Ein letzter Akt der Gastfreundschaft kann noch einmal sehr schweißtreibend sein, der Eintrag in das Gästebuch. Mit einem Augenzwinkern geben wir Tipps, wie man sich auch dieser heiklen Herausforderung mit Würde stellt.
