Donner-Gottchen
Gerade hatte er angekündigt, mit Soldaten gegen jene zu ziehen, die nach dem gewaltsamen Tod des Schwarzen George Floyd in Amerikas Städten gegen Rassismus demonstrierten, da warf sich der US-Präsident in Pose. Wie eine Freiheitsstatue stand er aufrecht, statt einer Fackel die Bibel in der erhobenen Hand. Was er mit dieser monumentalen Geste mitteilen wollte, darüber rätselten viele Beobachter. Wollte er den Mose am Sinai geben, der mit dem Gesetz Gottes in der Hand das Götzentum zertrümmerte? Oder mehr noch: Wollte er – das Haar toupiert, als kreise ein Heiligenschein über ihm – wie Gottvater wirken, für den er sich in seinem grenzenlosen Narzissmus wohl hält, gemäß dem Witz, wonach er am Jüngsten Tag vor dem Richterstuhl Gottes steht und gefragt wird: Was hast du zu sagen? Worauf er Gott antwortet: Ich glaube, du sitzt auf meinem Stuhl.
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