Meinung
Es geht um Israels Demokratie
Seit der Gründung vor 75 Jahren gilt Israel als »die einzige Demokratie im Nahen Osten«. Dieser Titel verschaffte den israelischen Regierungen Immunität gegen Kritik von außen. Dabei war diese Demokratie von Beginn an nicht perfekt: Der Zustand der Freiheit und der Gleichheit ließ zu wünschen übrig, und die Brüderlichkeit war im Sinne einer ethnischen, ja ethnozentrischen Solidarität zu verstehen – nicht alle Staatsbürger sind »Brüder«, sondern nur die Juden. Die Bezeichnung »Staat aller seiner Bürger« gilt als Ketzerei. Nach dem Sechstagekrieg 1967 kam eine Herausforderung hinzu: Wie geht man mit den Palästinensern in den besetzten Gebieten um? Statt die Infrastruktur einer liberalen Demokratie zu stärken, bestimmen seit 1967 jüdischer Nationalismus, Rassismus und religiöser Fanatismus immer mehr den Charakter dieser Demokratie.
Sie haben bereits ein
-Abo? Hier anmelden
Moshe Zimmermann, geboren 1943, ist Historiker und Antisemitismusfoscher. Er lebt in Jerusalem.

