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Pro und Contra
Flugverbot für kurze Strecken?

Frankreich hat hat kurze Inlandsflüge verboten. Damit soll das Klima geschont werden. Taugt das als Vorbild für ganz Europa? Diskutieren Sie mit bei unserem Pro & Contra!
vom 25.06.2024
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Flugverbot im Inland: Klimaschutz oder Aktionismus? (Foto: PA / MiS.-Sportpressefoto)
Flugverbot im Inland: Klimaschutz oder Aktionismus? (Foto: PA / MiS.-Sportpressefoto)

Lena Donat: Ja!

(Foto: Greenpeace / Anne Barth)Verbote sind unpopulär. Viele sehen darin Verzicht oder sehen sich in ihrer Freiheit eingeschränkt. Wenn es doch nur so einfach wäre!

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 12/2024 vom 28.06.2024, Seite 8
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Nehmen wir die Hochwasserkarten, die nach den jüngsten Überschwemmungen Konjunktur haben. Sie zeigen, wo künftig häufiger auftretende Starkregen Schäden anrichten könnten. Versicherungen verzeichnen auf solchen Karten Gebiete, in denen sie keine Häuser mehr versichern. Die Klimakrise schränkt also künftig die freie Wahl des Wohnortes ein. Sie beschränkt auch den Bewegungsradius von älteren Menschen und Kleinkindern, die bei Temperaturen um die 40 Grad aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr vor die Tür gehen können. Weil die Folgen der Klimakrise uns morgen und übermorgen fundamentale Freiheiten nehmen werden, müssen die Treiber dieser Krise heute beschränkt werden. Kurzstreckenflüge gehören dazu.

Keine Fortbewegungsart heizt den Klimawandel stärker an als das Fliegen. Ein Flug verursacht auf der gleichen Strecke gut zehn Mal mehr Treibhausgase als eine Bahnfahrt. Nach New York fährt kein Zug, sagen manche. In viele europäische Metropolen aber schon, könnte man entgegnen. Von den 250 am häufigsten geflogenen europäischen Strecken lässt sich rund ein Drittel durch klimaschonende Zugfahrten in weniger als sechs Stunden ersetzen. Von Berlin aus ist man mit dem Zug in sechs Stunden in Amsterdam, von Frankfurt in drei Stunden in Paris. Trotzdem fliegen diese Strecken insgesamt jedes Jahr mehr als eine Million Menschen.

Sie tun das auch, weil Fliegen absurderweise in den allermeisten Fällen deutlich billiger ist, als den Zug zu nehmen. Fluggesellschaften drücken sich seit Jahren erfolgreich vor vielen Abgaben, die Bahnreisende wie selbstverständlich zahlen. Eine Angleichung der Steuern und Abgaben auf Flug- und Bahntickets würde das Fliegen zwar deutlich verteuern, aber Wohlhabende und Dienstreisende wohl kaum vom Fliegen abhalten. Auch deshalb sollten klimaschädliche Kurzflüge auf Strecken, die heute schon bequem mit der Bahn zurückgelegt werden können, verboten werden.

Nicht jede Flugreise in Europa kann ohne Weiteres mit dem Zug zurückgelegt werden. In vielen Ländern, auch in Deutschland, wurde das Schienennetz in den vergangenen Jahrzehnten vernachlässigt. Grenzüberschreitende Direktzüge, etwa via Nachtzug, gibt es viel zu wenig. Aber wir dürfen nicht warten, bis diese Versäumnisse korrigiert werden. Flugverbindungen, für die es eine komfortable Bahnalternative gibt, sollten schon heute gestrichen werden. Das hilft dem Klima, stärkt die Verkehrswende und sichert unsere zukünftige Freiheit. Worauf warten wir?

Lukas Köhler: Nein!

(Foto: www.fdpbt.de / Stefan Trocha)Zunächst ist klarzustellen: Die Wirkung eines solchen Verbots wäre in Deutschland minimal. Es gibt kaum Inlandsflüge, deren Strecke in unter 2,5 Stunden mit der Bahn zurückgelegt werden kann. Ein Verbot würde also das Reiseverhalten der Menschen nicht ändern und lediglich als symbolischer Akt politischer Selbstinszenierung dienen.

Ein europaweites Verbot von Kurzstreckenflügen ist aber ganz grundsätzlich völlig überflüssig und ineffektiv. Warum? Weil die CO2-Emissionen des innereuropäischen Flugverkehrs bereits im EU-Emissionshandel abgedeckt sind. Dieser Handel begrenzt die Gesamtemissionen und verpflichtet Fluggesellschaften, für jede ausgestoßene Tonne CO2 Zertifikate zu erwerben. Die Emissionszertifikate sind begrenzt und werden jährlich den EU-Klimazielen entsprechend reduziert. Somit führt jeder Kurzstreckenflug nicht zu zusätzlichen Emissionen. Stattdessen müssen die Emissionen, die durch einen Kurzstreckenflug entstehen, an anderer Stelle eingespart werden, etwa durch den Verzicht auf Kohleverbrennung. Daher würde ein Kurzstreckenflugverbot lediglich bedeuten, dass Mehremissionen in anderen Wirtschaftsbereichen wieder attraktiver werden.

Schließlich sollten wir uns fragen, ob Verbote überhaupt das richtige Mittel sind. Klimaschutz erfordert keine symbolischen Maßnahmen, sondern durchdachte und effektive Lösungen. Anstatt Verbote zu erlassen, sollten wir auf nachhaltige Technologien und Infrastrukturen setzen. Der Ausbau des Schienenverkehrs, die Modernisierung der Züge und die Verbesserung der Anbindung sind entscheidend, um den Zubringerverkehr zu internationalen Luftfahrthubs stärker auf die Schiene zu verlagern. Wenn wir den Bahnverkehr so attraktiv und effizient gestalten, dass die Menschen freiwillig umsteigen, erreichen wir unser Ziel ohne Zwang.

Auch technologische Innovation im Luftverkehr darf nicht behindert werden. Emissionsärmere Flugzeuge und klimafreundliche Flugkraftstoffe setzen sich langsamer durch, wenn die Branche unnötig reglementiert wird. Diese Innovationen leisten aber langfristig den entscheidenden Beitrag dazu, dass die Luftfahrt komplett klimaneutral wird.

Zusammengefasst: Ein europaweites Verbot von Kurzstreckenflügen wäre reine Symbolpolitik, die kein Gramm CO2 einsparen würde. Wir brauchen vielmehr eine Erweiterung des Emissionshandels, damit dieser auch andere Emissionen des Flugverkehrs umfasst. Für echten Klimaschutz braucht es daher klimafreundliche Innovationen und keinen selbstgerechten Aktionismus.

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Personalaudioinformationstext:   Lena Donat ist Campaignerin im Team Mobilität und Transport bei Greenpeace.

Lukas Köhler ist stellvertretender Vorsitzender der FDP-Fraktion im Bundestag.
Schlagwörter: Klimaschutz Verkehrswende
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