Jacques Mourad
Gottsucher in der Wüste
Von Jacques Mourad hat eine breitere Öffentlichkeit in Deutschland vor zehn Jahren das erste Mal gehört. Als der Schriftsteller Navid Kermani 2015 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels entgegennahm, widmete er ihm seine Dankesrede. Und bat - was von manchen als Skandal empfunden wurde - das Publikum am Ende um ein stilles Gebet für ihn. Denn Jacques Mourad war damals ein Gefangener des Islamischen Staates, verschleppt von jenen Milizen, die heute in Syrien das Sagen haben. Kermani erzählte, wie er Mourad auf seiner Reise durch Syrien in einem Kloster unweit vor Damaskus traf. Dieses Kloster sei von der Liebe zum Islam geprägt gewesen, ein utopischer Ort der Gastfreundschaft und Versöhnung inmitten der Gewalt. Über die Begegnung mit Mourad sagte er: »Ich würde jedem Muslim widersprechen, dem angesichts des Islamischen Staates nur die Floskel einfällt, dass die Gewalt nichts mit dem Islam zu tun habe. Aber ein Christ, ein christlicher Priester, der damit rechnen muss, von Andersgläubigen vertrieben, gedemütigt, verschleppt oder getötet zu werden und dennoch darauf beharrt, diesen anderen Glauben zu rechtfertigen – ein solcher Gottesdiener legt eine Größe an den Tag, die ich sonst nur aus den Viten der Heiligen kenne.«
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