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Unser Händewaschen reicht nicht

Solidarität ist das Wort der Stunde. Doch die Corona-Krise trifft besonders Menschen, die auch sonst oft unsichtbar sind
von Anne Strotmann vom 26.03.2020
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Werden wir jetzt wirklich alle solidarisch? (Zeichnung: Mester)
Werden wir jetzt wirklich alle solidarisch? (Zeichnung: Mester)

Es ist Krise und die Welt schrumpft zusammen: auf die eigenen vier Wände, die eigene Arbeit, die eigene Familie, den kommenden Tag, die Corona-Nachrichten. Isoliert und auf sich allein gestellt – diese neoliberale Existenz kenne ich bereits aus dem Alltag und komme deshalb mehr oder weniger gut klar damit. Und viele zeigen sich solidarisch: durchs Zu-Hause-Bleiben, Einkaufen für die alte Nachbarin, das abendliche Klatschkonzert von den Fenstern. Solidarität ist das Wort der Stunde: Wir sitzen alle im selben Boot. Stimmt das? Hat es jemals gestimmt? Manche Menschen trifft die Bedrohung, krank zu werden, genauso wie die Maßnahmen dagegen, härter als andere: Menschen ohne WLAN, Menschen ohne Zuhause, Menschen ohne Netzwerk, Menschen ohne Geld. Es drohen die aus dem Blick zu geraten, die schon immer an der Grenze zur Unsichtbarkeit standen. Die Geflüchteten in den Lagern können nicht zu Hause bleiben, weil sie keins haben, sie können sich nicht die Hände waschen, weil es nur einen Wasserhahn für 1300 Menschen und keine Seife gibt. Von ausreichender ärztlicher Versorgung ganz zu schweigen. Wir dürfen nicht nachlassen, deren Evakuierung und Aufnahme zu fordern.

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