Kein Gendern bei Weimer
Nur eine Empfehlung ...
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer mag geschlechtergerechte Sprache nicht. Das ist okay, dies ist ein freies Land. In seiner Behörde will er Sternchen, Unterstriche und Binnen-I künftig verbieten. Niemand musste sie vorher benutzen, aber nun darf es auch keiner mehr. Das hat Weimer auch öffentlich geförderten Kultureinrichtungen wie Museen, Theatern und Rundfunkanstalten nahegelegt. Er betonte später, es handle sich um eine Empfehlung ohne finanzielle Auswirkungen. Dennoch fragt man sich, für wen Weimer dieses Theater veranstaltet. Kulturschaffende haben wichtigere Probleme. Jedenfalls brauchen sie vom Staat keine Hilfe beim Sprechen. Weimers Vorstoß ist ein populistisches Lager-Bekenntnis. Die »Gendersprache« ist der Lieblingsfeind der Konservativen, weil man mit wenig Aufwand viel Aufmerksamkeit bekommt; niemand redet so viel darüber wie sie. Weimers paternalistische Sorge um »Akzeptanz« und »Verständlichkeit« ist vorgeschoben. Konservative inszenieren Sprache als Bollwerk gegen die ihnen unangenehme Realität, dass Geschlecht vielfältig ist. Nebenbei bedient Weimer das reaktionäre Klischee, Kulturschaffende verprassten Steuern für elitäre Sonderwelten, zu denen das Volk keinen Zugang habe. Der Krieg der Gendersterne aber lockt niemanden in Kultureinrichtungen. Die brauchen Geld und die Freiheit, Neues auszuprobieren. Kultur ist Reibung, Vielfalt, Widerspruch. Es wäre Aufgabe des Kulturstaatsministers, Kunstschaffende vor Eingriffen in ihre Arbeit zu schützen. Stattdessen diktiert er ihnen die Form ihrer Inhalte. Der Deutsche Journalisten-Verband spricht zu Recht von einer »gravierenden Kompetenzüberschreitung«. Das Verbot in seiner Behörde begründete Weimer damit, dass er »jede bevormundende Spracherziehung« ablehne. Na, dann lassen Sie es doch! (Nur eine Empfehlung.)
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