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Prostitution weltweit legalisieren?

Sex gegen Geld führt zu Menschenhandel und Gewalt. Um das Problem in den Griff zu bekommen, wird die weltweite Legalisierung der Prostitution gefordert. Denn dann verlässt sie den Schattenraum. Ist das die Lösung? Sagen Sie uns hier Ihre Meinung! Argumente? Lesen Sie in diesem Pro und Contra
von Susanne Kahl-Passoth , Lea Ackermann vom 13.09.2015
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Prostitution weltweit legalisieren? Susanne Kahl-Passoth (links) sagt: "Ja!" Lea Ackermann (rechts) sagt: "Nein!" (Fotos: epd/Schoelzel; Solwodi Deutschland e.V.)
Prostitution weltweit legalisieren? Susanne Kahl-Passoth (links) sagt: "Ja!" Lea Ackermann (rechts) sagt: "Nein!" (Fotos: epd/Schoelzel; Solwodi Deutschland e.V.)

Susanne Kahl-Passoth: »Ja, das schützt die Prostituierten«

»Nicht die Prostitution an sich gilt es zu bekämpfen, sondern den Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung! Prostitution ist erfahrungsgemäß durch Verbote nicht aus der Welt zu schaffen, sondern wird dadurch in die Illegalität abgeschoben. Die Opfer von Menschenhandel werden damit kriminalisiert und sind der Gewalt und Ausbeutung noch schutzloser ausgeliefert. In der Illegalität haben sie noch weniger Möglichkeiten, auf sich und ihre Situation aufmerksam zu machen. Menschenhändler sowie Bordellbetreiber, die Minderjährige zur Sexarbeit beschäftigen, müssen stärker verfolgt und bestraft werden. Für Freier, die wissentlich Sex mit Opfern von Menschenhändlern und mit Minderjährigen haben, gilt das ebenso. Einnahmen, die dadurch erzielt werden, sind zu beschlagnahmen und der Arbeit mit den Opfern zur Verfügung zu stellen.

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Eine Legalisierung von Prostitution, die einvernehmlich zwischen Erwachsenen erfolgt, erfordert begleitende gesetzliche Regelungen, die den Schutz der Menschenwürde und -rechte der Sexarbeiterinnen wahren. Dazu gehören bei uns etwa eine Erlaubnispflicht für das Betreiben von Prostitutionsstätten mit klaren Vorgaben und Mindeststandards, was die Ausstattung, Hygiene und auch die Sicherheit betrifft. Angebote für Gesundheitsuntersuchungen und Beratung außerhalb der Arbeitsstätten sollten in genügender Anzahl zur Verfügung stehen. Betreiberinnen und Betreiber sollten nur ein eingeschränktes Weisungsrecht gegenüber den bei ihnen arbeitenden Frauen und Männern haben, also nicht über Freier und Sexualpraktiken bestimmen können. Die Stigmatisierung von Prostituierten muss aufhören, das Thema raus aus der Schmuddelecke. Wir brauchen einen aufgeklärten gesellschaftlichen Dialog – kein Pharisäertum.«

Lea Ackermann: »Nein, Frauen werden dadurch zur Ware«

»Glitzernde Wellnessoasen, Marmorböden, Samtbettwäsche. Selbstbestimmte Frauen, die Männern ihre sexuellen Wünsche von den Lippen lesen und diese – für eine monetäre Gegenleistung – nur zu gerne erfüllen. Dieses Bild von Prostitution wird in der Öffentlichkeit gerne gezeichnet, weil es suggeriert, dass nichts Verwerfliches daran ist, wenn Menschen für Sex bezahlen. Doch mit der Realität hat es nichts gemein.

Täglich werden rund um den Globus Tausende Frauen und Kinder in der Prostitution ausgebeutet: Sie werden geschlagen, vergewaltigt, zu abartigen sexuellen Praktiken gezwungen und um ihren Lohn geprellt. Auch in unserem Land, in dem Prostitution rechtlich als Dienstleistung anerkannt ist, findet diese Ausbeutung statt: hinter den glitzernden Fassaden der legalen Bordelle und vor unser aller Augen auf jedem Straßenstrich. Keine Frau entschließt sich freiwillig dazu, täglich zehn, zwanzig oder dreißig Männer über sich ergehen zu lassen und sich für zwanzig Euro zu verkaufen. Keine Frau überlebt diesen Missbrauch, der in unserem Land zu einem lukrativen Geschäft umgedeutet wurde, unbeschadet.

Seit Prostitution bei uns als Beruf anerkannt ist, steht dem Geschäft mit der Ware Frau nichts mehr im Weg. Bordellbetreiber, Zuhälter und der Staat verdienen mit der Ausbeutung der Frau Millionen. Gleichzeitig argumentieren Sexkäufer, dass der Kauf von Frauen für die Erfüllung ihrer sexuellen Wünsche legitim und legal sei. Sexuelle Intimität ist in unserem fortschrittlichen Land zur Ware degradiert worden, die Frau nichts weiter als ein käufliches Produkt.

Prostitution zu legalisieren bedeutet, die Kommerzialisierung von sexuellem Missbrauch zu legalisieren. Eine Gesellschaft, die sich dafür ausspricht, hat es nicht verdient, sich zivilisiert zu nennen.«

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Personalaudioinformationstext:   Susanne Kahl-Passoth, geboren 1948, war bis 2013 Direktorin des Diakonischen Werks Berlin-Brandenburg. Die Pfarrerin ist stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Frauenrates.
Lea Ackermann, geboren 1937, ist Ordensschwester und Gründerin des Projekts Solwodi, das sich für Frauen in Notlagen engagiert.
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