Hochzeit von Christian Lindner
Rent a church - doch wofür?
Ohne es zu wollen, hat Finanzminister Christian Lindner mit seiner kirchlichen Hochzeit auf Sylt einen wunden Punkt im Selbstverständnis der Kirchen getroffen, der ans Eingemachte geht. Drei Fragen sind dabei ineinander verknüpft: Wozu ist die Kirche da? Wer bestimmt, wer dazugehört? Welche Überzeugungen sollte man sinnvollerweise teilen, um an Sakramenten, Segnungen und Ritualen teilnehmen zu können? Seit jeher hat sich die Kirche als Werkzeug und Mittel (das meint ja Sakrament) zum Heil verstanden. Der Satz des Märtyrerbischofs Cyprian von Karthago, extra ecclesiam nulla salus – außerhalb der Kirche kein Heil, bringt diese Überzeugung auf hochproblematische Weise zum Ausdruck. Das gilt selbst dann, wenn stets zwischen der sichtbaren und der stets größer und weiter gedachten unsichtbaren Kirche unterschieden werden muss. Heute hat sich Cyprians Satz allerdings in sein Gegenteil verkehrt: Innerhalb der Kirche kein Heil. Das ist nicht nur die Erfahrung der von Missbrauch Betroffenen, katholisch wie evangelisch, sondern das schulterzuckende Fazit von Hunderttausenden, die Jahr für Jahr die Kirche verlassen. Das zehrt am Selbstbewusstsein der Kirche. Denn auch wenn nicht die Kirchensteuer, sondern die irreversible Taufe die Mitgliedschaft begründet und daher strenggenommen ein Kirchenaustritt theologisch gar nicht möglich ist, so ist dieser Schritt doch die deutlichste Form zu sagen: Mit Kirche und Christentum will ich nichts mehr zu tun haben.
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