Gastkommentar
Der erneute Verrat an den Kurden
Das Modell Rojava ist tot. Es war ein Traum, eine Utopie von einem besseren, selbstbestimmten Leben in Freiheit und Würde. Es war mir eine Ehre und Inspiration, dort gewesen zu sein und die Menschen kennengelernt zu haben, die diesen Traum im Nordosten Syriens für einige Jahre Realität werden ließen. Zum Beispiel Nouri Mahmoud: Der Kommandant der kurdischen Selbstverteidigungskräfte YPG hatte in seinem Büro ein Kreuz an die Wand gehängt. Auf die Frage, warum, er sei doch Muslim, antwortete Mahmoud, er habe es von einem assyrischen Freund geschenkt bekommen, es solle ihn schützen. Zudem habe er großen Respekt vor der christlichen Spiritualität und Geschichte. – Es ist eine Anekdote aus einer Welt, die gerade untergeht.
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Jan Jessen, geboren 1972, ist Journalist und Politik-Chef der Neuen Ruhr Zeitung (NRZ) in Essen. Er reiste in den vergangenen Jahren immer wieder nach Syrien und in den Irak.

