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Auch ihn bestrafte das Leben

Michail Gorbatschow brach mutig mit dem erstarrten Sowjetsystem. Doch erst sein Scheitern brachte die Freiheit. Noch mehr als Helmut Kohl ist er der Vater der Deutschen Einheit. Ein Nachruf.
von Wolfgang Thierse vom 02.09.2022
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In Deutschland gefeiert, in Russland oft verhasst: Michail Gorbatschow, 1931-2022. (Foto: pa/Jörg Carstensen)
In Deutschland gefeiert, in Russland oft verhasst: Michail Gorbatschow, 1931-2022. (Foto: pa/Jörg Carstensen)

Als das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei der Sowjetunion am 11. März 1985 den Nachfolger des am Tag zuvor verstorbenen Konstantin Tschernenko bekannt gab, horchten wir auf. Michail Gorbatschow, der neue Generalsekretär, der mächtigste Mann des Ostblocks, war 54 Jahre alt, nach den greisen Herrschern Leonid Breschnew, Juri Andropow und eben Tschernenko wirkte er geradezu jugendlich. Wo seine Vorgänger sich im Kreml eingemauert hatten, ging er einfach auf die Menschen zu. Er war charmant und humorvoll, er zeigte sich gerne mit seiner großartigen Frau Raissa. Wann hatte es das gegeben: einen KPdSU-Generalsekretär, der sich von seiner Frau beraten lässt? Gorbatschow sprach schon bald nach seinem Amtsantritt von Glasnost und Perestroika, von Transparenz und Umbau. Bei uns keimte Hoffnung auf. Erst zögernd, begleitet von großem Misstrauen, dann immer stärker, bis hin zur Euphorie.

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