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Bürger zweier Staaten sein?

Die doppelte Staatsbürgerschaft für in Deutschland geborene Kinder ausländischer Eltern erhitzt die Gemüter. Die CDU wollte sie lange nicht, die SPD unbedingt. Jetzt liegt ein Gesetzentwurf vor, der sie – unter komplizierten Auflagen – möglich macht. Ist das gut? Ein Pro und Contra
vom 03.04.2014
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Kann man Bürger zweier Staaten sein? »Ja!« sagt Cemile Giousouf (links), »nein!« Marian Wendt (rechs). Spannend: Beide sind CDU-Abgeordnete im Deutschen Bundestag.
Kann man Bürger zweier Staaten sein? »Ja!« sagt Cemile Giousouf (links), »nein!« Marian Wendt (rechs). Spannend: Beide sind CDU-Abgeordnete im Deutschen Bundestag.

»Menschen haben viele Identitäten und wir können uns zu unterschiedlichen Staaten gehörig fühlen. Wir haben ja schließlich auch sonst viele Identitäten: Mutter, Schwester, Freundin ... So ist der Doppelpass für jungen Menschen wichtig, weil sie die Verbindung zum Herkunftsland der Eltern nicht abschneiden wollen. Bürger zweier Staaten wird man damit nicht, man bleibt trotzdem Bürger des Staates, wo man gerade seinen Lebensmittelpunkt hat. Gleichwohl hat man mit dem Doppelpass auch das Recht, in dem anderen Land zu wählen. Wie für Deutsche, die im Ausland leben oder EU-Bürger in unserem Land, soll das Gleiche auch für Drittstaatler gelten, die in der zweiten Generation hier leben. Wenn die Familie aus einem anderen Land nach Deutschland gezogen ist, hat man ja familiäre Beziehungen in dieses Land, kulturelle Verbindungen, die man auch leben möchte. Bürgersein ist in dem Kontext ein sehr technischer Begriff. Die Frage, die dahinter steht, ist doch: Wo fühlt man sich zugehörig? Junge Menschen, die auch in unserem Land leben, sind Deutsche, sie fühlen sich Deutsch und lieben ihr Land. Sie lieben aber auch das Land, aus dem ihre Familie stammt. Ich bin fest überzeugt, dass man zwei Staaten schätzen kann und dass dies eine Bereicherung darstellt. So wie Kultur bereichern kann, bereichern diese Verbindungen. Wir wünschen ja, dass gerade junge Menschen in der Welt lernen, studieren oder eine Ausbildung machen, um ihren Horizont zu erweitern. So ist das Zugehörigkeitsgefühl zu anderen Ländern kein Nachteil, sondern ein Vorteil in der globalisierten Welt. Das ist für viele junge Menschen wichtig. Das gehört zur Willkommenskultur eines weltoffenen Landes dazu.«

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Marian Wendt: »Nein! Denn es geht um verantwortliches Zusammenleben«

»Genauso wie ich nicht zwei Mütter und zwei Väter haben kann, kann ich auch nicht Bürger zweier Staaten sein. Man ist in einem Land geboren, aufgewachsen und geprägt worden. Dabei geht es nicht nur um die Frage, ob es juristisch möglich ist, dass ich irgendwo ein- und ausreisen kann. Ein Staat ist ja nicht einfach nur eine willkürlich gezogene Grenze zwischen zwei Landschaften. Es geht um Identifikation. Mit der Kultur, der Religion, vor allem mit dem Volk, mit den Menschen, die da leben. Und für die der Staat Schutz übernommen hat, Persönlichkeits-und Freiheitsrechte, die im Grundgesetz verankert sind. Auf der anderen Seite geht auch der Bürger eine Verpflichtung gegenüber seinen Mitmenschen ein. Es geht um einen Zusammenschluss von Menschen, die Verantwortung füreinander übernommen haben. All das kann man nicht wechseln wie ein Hemd. Ich lehne darum die doppelte Staatsbürgerschaft ab. Die bisherige Regelung, dass sich Menschen, deren Eltern Ausländer sind und die hier geboren wurden, bis zum 23. Lebensjahr für den einen oder anderen Pass mit allen Rechten und Pflichten entscheiden mussten, habe ich als sehr gut empfunden. Dadurch kommen sie auch aus dem Spannungsverhältnis heraus, dass sie in Deutschland beispielsweise immer als Türke gesehen werden und in der Türkei als Deutscher. Ich finde darum auch Einbürgerungsfeiern so wichtig: Da spüre ich, dass ich willkommen bin und fühle mich zugehörig. Die meisten übrigens, die sich bis heute entscheiden müssen, entscheiden sich für die deutsche Staatsbürgerschaft. Die doppelte Staatsbürgerschaft ist für mich persönlich nichts anderes als die Ausflucht, sich doch nicht festlegen zu müssen.«

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Personalaudioinformationstext:   Cemile Giousouf, geboren 1978 in Leverkusen mit griechischen Wurzeln, sitzt für die CDU Nordrhein-Westfalen im Bundestag und ist Integrationsbeauftragte ihrer Fraktion.
Marian Wendt, geboren 1985 in Torgau, sitzt als CDU- Abgeordneter für Nordsachsen im Bundestag und ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Innenausschuss.
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