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Burundi: Stolz und Vorurteil

Nachdem ich nach 24-stündigem Flug in Bujumbura, der kleinen Hauptstadt des kleinen Staates Burundi im Herzen Afrikas, gelandet bin, möchte ich in den kommenden acht Tagen mit Herz und Verstand ankommen in Zentralafrika. Ich möchte eintauchen in die Lebenswelt der Menschen
von Thomas Seiterich vom 07.07.2013
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Zentralafrika ist von Bürgerkriegen, Hungersnöten und Völkermorden gezeichnet: Doch am Ende beginnt der Weg zu einem neuen Anfang. Thomas Seiterich folgt den Spuren der dunklen Vergangenheit in eine Zukunft, auf die die Menschen ihre ganze Hoffnung setzen. (Foto: pa/Ziser)
Zentralafrika ist von Bürgerkriegen, Hungersnöten und Völkermorden gezeichnet: Doch am Ende beginnt der Weg zu einem neuen Anfang. Thomas Seiterich folgt den Spuren der dunklen Vergangenheit in eine Zukunft, auf die die Menschen ihre ganze Hoffnung setzen. (Foto: pa/Ziser)

Gestartet bin ich mit einem Nachtflug von Frankfurt aus. Nach der Landung in der kühlen und in der derzeitigen Regenzeit nebligen äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba ging es weiter zum wuseligen Drehkreuz Nairobi. Dort verließ meine Reiseroute die aufstrebenden Metropolen Afrikas und folgte dem Äquator in Richtung Westen. Unter uns trockenes, scheinbar menschenleeres Land, dann kleine Bauernhäuser, deren Wellblechdächer in der Sonne blinkten. Und schließlich, so groß wie Bayern, der Victoriasee – von dem aus der Nil seinen langen Weg nach Norden nimmt.

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Was Godance und Veronique mir im Flugzeug erzählen

Madame Godance und Madame Veronique sitzen mit mir in einer Dreiersitzreihe. Sie tragen farbenprächtige Kleider. Godance lebt in Schweden. »Ich bin vor dem Krieg 2003 geflüchtet«, erzählt sie. »Es war einer der vielen Gewaltausbrüche und Massenmorde, die in Burundi immer wieder geschehen und von denen die Weltöffentlichkeit praktisch nicht Kenntnis nimmt.« Godance ist mittlerweile schwedische Staatsbürgerin. Doch sie fliegt frohen Mutes in ihre Heimat, denn in Burundi ist es derzeit ruhig, »abgesehen von einigen politischen Morden, die fast täglich geschehen«, sagt sie.

Veronique erzählt, ihr Mann habe bei der Bundeswehr in Deutschland eine Generalstabsausbildung gemacht. Jetzt sei er einer der Kommandeure jener burundischen Armeeeinheit, die Friedenssoldaten im Bürgerkriegsland Somalia im Auftrag der Vereinten Nationen einsetzten. Madame Veronique ist stolz auf ihr kleines Land und ihren Gemahl, während Madame Godance froh ist, dem ewigen, von Kriegen unterbrochenem Niedergang ihres Landes entronnen zu sein.

Wer reist schon in den vergessensten Teil der Krisenregion Zentralafrika, nach Burundi? In einen instabilen Staat, der ganz anders ist als der durch Kriegschaos geprägte Kongo und als der streng kontrollierte Wachstumsstaat Ruanda? Ich kenne nur einen Journalistenkollegen, der je in Burundi war.

Burundi? Die Daten sind niederschmetternd. Das zweitärmste Land der Erde laut Human Development Index der UNO, vor dem Schlusslicht Haiti. Doch Haiti hatte ein Erdbeben. In Burundi beträgt die Kindersterblichkeit 20 Prozent. Eines on fünf Kindern wird keine fünf Jahre alt. Auf einem Quadratkilometer wohnen 379 Personen – viel zu viele für ein Land, in dem neun Zehntel der Bevölkerung als kleine Bergbauern von Selbstversorgungslandwirtschaft leben müssen. Wenn eine Familie eine Kuh besitzt, ist dies bereits Wohlstand. Die Wirtschaftsleistung ist unterirdisch. Rechnerisch beträgt sie pro Person im Jahr rund einhundert Euro – weniger als 30 Cent pro Tag.

Und dennoch: Die Burunder sind erfinderisch. Sie verstärken chinesische Fahrräder so, dass sie damit anderthalb Zentner Heu transportieren können – oder eine ganze Familie.

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Personalaudioinformationstext:   Thomas Seiterich, Redakteur und Auslandskorrespondent von Publik-Forum, ist unterwegs in Zentralafrika. Sie können täglich Neues in seinem Reisetagebuch lesen.
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