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»Da hat es bei mir klack gemacht«

Lukas Hirtz, 24 Jahre jung, kandidiert für Die Linke in Duisburg. Als Bundestagsabgeordneter würde er dafür streiten, dass überschuldeten Haushalten nicht mehr der Strom abgestellt werden kann. Publik-Forum interviewt Politikerinnen und Politiker unter 35
von Bettina Röder vom 17.09.2013
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Eine Diskussion im Konfirmandenunterricht weckte das politische Interesse des heutigen Linke-Bundestagskandidaten Lukas Hirtz: das Gleichnis Jesu, wonach eher ein Kamel durch ein Nadelöhr passt, als dass ein Reicher in den Himmel kommt, brachte ihn zum Nachdenken (Fotos: PA /Hellier; VRD - Fotolia.com; Privat)
Eine Diskussion im Konfirmandenunterricht weckte das politische Interesse des heutigen Linke-Bundestagskandidaten Lukas Hirtz: das Gleichnis Jesu, wonach eher ein Kamel durch ein Nadelöhr passt, als dass ein Reicher in den Himmel kommt, brachte ihn zum Nachdenken (Fotos: PA /Hellier; VRD - Fotolia.com; Privat)

Herr Hirtz, was werden Sie an Ihrem ersten Tag im Bundestag auf keinen Fall tun?

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Lukas Hirtz: Nen Kaffee Latte am Prenzlauer Berg trinken. Mal davon ganz abgesehen: ich müsste mir auch noch eine Wohnung suchen. Das mache ich erst nach dem 22. September! Ich werde ein Viertel im Kiez suchen, in dem die Menschen den Duisburgern ähnlich sind. Etwa Berlin-Marzahn, nicht in den Hip-Vierteln. Ich schätze die ehrliche und direkte Art. So etwas bin ich gewohnt, ich komme mit den Leuten klar.

Was hat Sie in die Politik getrieben?

Hirtz: Das hat in der Pubertät angefangen. Dadurch, dass ich Punkmusik gehört habe mit politischen Inhalten. Und dann war da so ein Erlebnis im Konfirmandenunterricht. Irgendwo im Markusevangelium steht, dass eher ein Kamel durch ein Nadelöhr passt, als dass ein Reicher in den Himmel kommt. Darüber haben wir diskutiert. Da hat es bei mir klack gemacht und es hat sich ein Schalter umgelegt. Ich fing an zu sehen, was um mich herum passiert.

Im Zivildienst dann habe ich gelernt, Verantwortung für Menschen zu übernehmen. Da war das nicht mehr genug, sich über die Politik aufzuregen, über die gesellschaftlichen Missstände. Da habe ich gesagt, o.k., ich mach was. Und da war Die Linke die einzige Partei, die mich angesprochen hat. Und ich fühl mich da superwohl. Denn das war wieder so ein Klack-Moment, als die Partei nochmal festgestellt hat, der Kapitalismus ist nicht das Ende der Geschichte. Dass die Linke immer noch sagt, wir stellen die Systemfrage, überzeugt mich.

Das bezieht sich vor allem auf das Wirtschaftssystem. Wie Marx gesagt hat: Demokratie bedingt Sozialismus und Sozialismus bedingt Demokratie. Als das nochmal durch die Medien ging, da war für mich klar, dass das die richtige Partei für mich ist. Ich bin, glaube ich, der Typ, der Rahmenbedingungen schaffen kann, damit Menschen anderen Menschen helfen können. Wir haben in Duisburg 8000 Haushalte mit Stromsperre, das ist in Deutschland kein menschenwürdiges Leben. Stromsperren müssen abgeschafft werden. Dafür würde ich im Bundestag streiten. Ich bin manchmal ungeduldig. Wir brauchen in Deutschland Veränderungen. Die sind, wie auch in der Welt, bitter nötig.

Wenn Sie nicht gewählt werden, wie lautet Ihr Plan B?

Hirtz: Ich studiere weiter und schnell, damit ich als Bioingenieur die Welt verändern kann. Das heißt: Mit neuen Technologien was für die Menschen tun.

Ohne wen oder was könnten Sie den Wahlkampf nicht überstehen?

Hirtz: Ohne meine Freundin. Ich spreche mich zu bestimmten Themen mit ihr ab und bereite so manchen Wahlkampftermin inhaltlich mit ihr vor, etwa wenn ich zu Podiumsdiskussionen gehe. Aber sie ist für mich auch wichtig, weil ich mit ihr gut abschalten kann.

Haben Sie ein bestimmtes Tagesritual, auf das Sie nicht verzichten möchten?

Hirtz: Zeitung holen, Kaffee kochen und dann im Sessel ein halbes Stündchen am Morgen lesen.

Haben Sie ein politisches Vorbild?

Hirtz: Nein! Manche Menschen brauchen Vorbilder, manche nicht. Ich brauche jetzt selber keins.

Woran glauben Sie?

Hirtz: An das Gute im Menschen. Ich bin noch Mitglied der evangelischen Kirche, weil ich mit ihren liberalen Grundsätzen sympathisiere. Allerdings glaube ich persönlich nicht an ein metaphysisches Wesen wie einen Gott.

Sind sie noch Politiker, wenn sie 40 sind?

Hirtz: Ja, ohne Politik würde ich verrückt werden. Wenn was falsch läuft, muss ich einfach was tun!

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Personalaudioinformationstext:   Lukas Hirtz, 24 Jahre alt, kandidiert für Die Linke in Nordrhein-Westfalen im Wahlkreis Duisburg. Auf der Landesliste der Partei steht er auf Platz 16.
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