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Das falsche Versprechen

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) fordert mehr Teilzeitarbeit für Eltern und möchte eine »Familienarbeitszeit« einführen. Das klingt gut, ist es aber letztlich nicht
von Kostas Petropulos vom 12.08.2014
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Sechs Hände müsste man haben, wenn man für die Familie da sein und sich um die eigene Berufstätigkeit kümmern will - vor allem Teilzeit arbeitende Frauen leiden unter dieser Doppelbelastung (Foto: HaywireMedia - Fotolia)
Sechs Hände müsste man haben, wenn man für die Familie da sein und sich um die eigene Berufstätigkeit kümmern will - vor allem Teilzeit arbeitende Frauen leiden unter dieser Doppelbelastung (Foto: HaywireMedia - Fotolia)

Die Familienpolitik hat eine neue Heldin. Kaum im Amt, forderte Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) eine »Familienarbeitszeit«: Statt vierzig Stunden sollte Vollzeit für Eltern mit kleinen Kindern zum Beispiel 32 Stunden betragen. Auch die Initiative »Arbeitszeitverkürzung jetzt!« – getragen unter anderem von Attac, Gewerkschaftern und der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung – tritt für eine neue kurze Vollzeit von rund dreißig Stunden in der Woche ein. Die komme unter anderem Eltern zugute, die dann mehr Zeit für ihre Kinder hätten.

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Doch stimmt das? Wäre es wirklich eine Verbesserung für Familien, wenn Mütter und Väter künftig 30 oder 32 Stunden arbeiteten?

Den Nutzen hätte vor allem die Wirtschaft

Wäre es nicht. Den Nutzen hätte vor allem die Wirtschaft. Die hatte das rasch erkannt, und Manuela Schwesig erhielt in Gestalt von Eric Schweizer, dem Vorsitzenden des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), einen mächtigen Verbündeten. Der forderte plötzlich ebenfalls die 35-Stunden-Woche für Väter und Mütter.

Eine Kehrtwende? Nur scheinbar: Der kühl rechnende DIHK-Chef hat schnell erkannt, dass bei Schwesigs Vorschlag Eltern unterm Strich sogar mehr arbeiten würden – und noch weniger Zeit für ihre Kinder hätten.

Politik und Wirtschaft bemühen sich vor allem um die Frauen mit Kindern unter drei Jahren. Nach der meist einjährigen Elterngeldpause arbeiten sie im Durchschnitt weniger als 25 Stunden pro Woche, die Väter rund vierzig Stunden. Nach dem Schwesig-Konzept würden sich die Arbeitszeitverlängerung der Mütter und die Arbeitszeitverkürzung der Väter fast die Wage halten.

Also einfach mehr Partnerschaftlichkeit bei der Aufteilung der Familienarbeit? Weit gefehlt! Das große »brachliegende« Potenzial aus Sicht der Wirtschaft sind nicht die erwerbstätigen Mütter, sondern jene 47 Prozent, die sich bislang in Vollzeit um ihren Nachwuchs kümmern. Würden mehr dieser Mütter arbeiten und ihr Beschäftigungsumfang auf 32 oder gar 35 Wochenstunden hochgetrieben werden, hätte die Wirtschaft allen Grund zur Freude – nicht jedoch die Kinder und Eltern. Ihr Verlust an gemeinsam gelebtem Alltag wäre enorm.

Berufliche Belastungen machen Eltern Stress

Schon heute beklagen vor allem die Dreißig- bis Vierzigjährigen einen eklatanten Mangel an Familienzeit in der sogenannten »Rush-Hour des Lebens« – also dem Stress zwischen Berufseinstieg, Partnerfindung, Familiengründung und der Alltagsorganisation mit Kindern. Der Elternstress steigt immer weiter an. Hauptbelastungsfaktor sind die wachsenden Ansprüche der Erwerbsarbeit, die den Alltag immer kraftraubender machen und vor allem immer mehr Mütter überfordern. Dies zeigen die einschlägigen Statistiken des Müttergenesungswerks: Bei den Teilnehmerinnen an dessen Mütter/Kind-Kuren stehen psychische Leiden mit 82 Prozent unangefochten an der Spitze der Leiden. Ständiger Zeitdruck und berufliche Belastungen sind die zentralen Gründe.

Von den behandlungsbedürftigen Müttern sind drei Viertel vollzeit- und sechzig Prozent teilzeitbeschäftigt. Kein Wunder also, wenn nur 20 Prozent der erwerbstätigen Mütter gern länger, aber 41 Prozent lieber weniger arbeiten würden. Das bestätigt auch das Verhalten der Mütter nach Einführung des Elterngelds. Der Einkommensersatz von bis zu 1800 Euro im Monat verringerte die Erwerbsquote der Mütter im ersten Lebensjahr der Kinder. Sie sank zwischen 2006 und 2011 von 17 auf nur noch 10 Prozent.

Familien brauchen weniger Erwerbsarbeitszeit, aber mehr wirtschaftlich abgesicherte Familienzeit! Genau diesem Wunsch müsste eine Politik für Kinder und ihre Eltern Rechnung tragen. Doch in unserem Land mit seiner schrumpfenden und alternden Bevölkerung liegt die Priorität von Politik und Wirtschaft anders: Nicht- oder nur teilzeiterwerbstätige Mütter und Väter sind lediglich ein ungenutztes Fachkräftepotenzial, das es besser zu erschließen gilt. Deshalb ist Schwesigs Familienarbeitszeit im Kern familienfeindlich und keine Ermutigung für junge Paare, sich für ein Leben mit Kindern zu entscheiden.

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