Das Geheimnis politischer Freundschaften
Liebe Claudi«, beginnt ein Brief an Claudia Roth. Verfasst hat ihn vor einigen Jahren der bayerische CSU-Politiker Günther Beckstein. Er schreibt weiter: »Schade, dass Du als Vorsitzende der Grünen aufhörst, ich werde Deine manchmal schrille oder auch etwas spinnige Art vermissen.« Der frühere Ministerpräsident, damals, im Herbst 2013, gerade Polit-Rentner geworden, meinte das ehrlich, ohne ironischen Unterton. Er wünschte Roth für ihre neue Rolle als Vizepräsidentin des Bundestages viel Glück und schloss seinen Brief »mit herzlichen Grüßen«. In Zeiten, in denen Beleidigungen und Anfeindungen den Ton in der Politik bestimmen, wirkt eine solche Geste wie aus der Zeit gefallen. Doch sie ist kein Einzelfall, jedenfalls nicht in der deutschen Politik.
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