Eine Blume für Anna
Mehrere Dutzend Journalisten aus Russland und in Moskau akkreditierte ausländische Korrespondenten versammelten sich auf Initiative der Menschenrechtsorganisation Amnesty International am 7. Oktober vor den Moskauer Redaktionsräumen der Nowaja Gaseta. Sie gedachten der am 7. Oktober 2006 ermordeten Redakteurin der Zeitung, Anna Politkowskaja. Alle hatten eine Blume aus Papier mitgebracht, die sie vor der Gedenktafel vor den Räumen der Redaktion niederlegten.
Gefaltet worden waren die Papierblumen aus den Titelblättern der Zeitungen und Zeitschriften, die die Gedenkaktion für Anna Politkowskaja unterstützten. Aus Deutschland hatten sich Publik-Forum und die taz an der Aktion beteiligt. Daneben fanden sich Blumen von 20 Minutos (Spanien), El Mundo (Spanien), Gazeta Wyborcza (Polen), Lidové noviny (Tschechien), Rzeczpospolita (Polen), RTL (Frankreich), Le Figaro (Frankreich). Auch die beiden Kinder von Anna Politkowskaja, Ilja und Vera, wohnten der Zeremonie bei.
Eine Sprecherin von Amnesty International forderte die russischen Behörden auf, endlich den Auftraggeber des Mordes an der Journalistin ausfindig zu machen, sowie alles zu tun, um die Sicherheit der in Russland arbeitenden Journalisten zu gewährleisten. »Wir sind der Auffassung, dass Russland in den vergangenen acht Jahren seit dem Mord an Anna Politkowskaja nichts getan hat, um einen wirksamen Schutz von Journalisten zu gewährleisten«, heißt es in einer Erklärung von Amnesty anlässlich der Gedenkveranstaltung.
»Wir werden in unseren Bemühungen nicht nachlassen, den Auftraggeber des Mordes in einer eigenen Untersuchung ausfindig zu machen«, erklärte Dmitrij Muratow, der Chefredakteur der Nowaja Gaseta. Der 7. Oktober 2006, erinnert sich der französische Korrespondent Emmanuel Grynszpan, sei einer der schwärzesten Tage in den 14 Jahren gewesen, in denen er in Russland arbeite. Mit dem Mord, so Grynszpan, hätte man die Journalisten einschüchtern wollen. Doch die Täter hätten das Gegenteil erreicht. »Viele Journalisten tragen die Fackel von Anna weiter.«
»Ich werde die Gesichter der Kinder von Anna, Ilja und Vera, immer in Erinnerung behalten«, kommentiert die Korrespondentin des französischen Kanals RTL, Madeleine Leroyer, die Situation. »Ihr Kampf für die Wahrheit hat nichts an Aktualität verloren. Niemals werde ich aufhören, die Frage zu stellen: ´Wer hat Anna ermordet?`«
»Ich wünsche allen russischen Journalisten, dass sie nie mehr so kämpfen und ihr Leben riskieren müssen wie Anna«, sagte der Chef des Moskauer Büros von Le Figaro, Pierre Avril.
Die bekannte Journalistin war am 7. Oktober 2006 im Aufzug ihres Hauses erschossen worden. Fünf Angeklagte sind inzwischen wegen des Mordes zu langen Haftstrafen verurteilt worden. Doch der Auftraggeber des Mordes befindet sich nach wie vor auf freiem Fuß.
