Eine junge Revolution, eine alte Geschichte
Selten war das Nationalmuseum so leer wie derzeit. Besuchten zu Spitzenzeiten täglich 10000 bis 12000 Menschen die schöne Nofretete und den Grabschatz Tutanchamuns, sind es heute 2000 bis 3000. Auch die Pyramiden wirken verwaist, klammert man Souvenirhändler und Wasserverkäufer aus. Kaum Busse, keine Warteschlangen vor den Kassen.
Tourismusminister Mounir Fakhry Abdel Nour will darin kein Problem erkennen. Er erwähnt Zahlen, die purem Wunschdenken entspringen. Mancher Politiker träumt sich die Wirklichkeit eben schön. Die Realität dürfte mehr zu den Worten Amr Badrs passen, Direktor von Abercrombie & Kent, einem der großen Player im Tourismusgeschäft: »Der Tourismus ist schwer eingebrochen. Vor gut einem Jahr waren wir am Punkt Null.«
Kaum eine Branche reagiert so schnell und so sensibel auf innere und äußere Veränderungen: Unruhen, die Golfkriege, Spannungen mit den Nachbarländern wirken sich unmittelbar aus auf das Geschäft. »Es ist eine Branche mit hohem Risiko - aber auch mit lukrativem Gewinn«, betont Amr Badr. Für Ägypten ist der Tourismus die zweitwichtigste Einnahmequelle. Millionen Menschen leben davon.
Die schiere Größe lässt den Manager denn auch einigermaßen optimistisch in die Zukunft blicken. »Der Tourismus in Ägypten kann leiden, sterben wird er nicht.« Selbst die Salafisten hätten ihre Diskussionen über Frauen in Bikinis wieder eingestellt. »Tourismus ist die einzige Industrie, die bei der Beantwortung der wirtschaftlichen Probleme helfen kann - und zwar schnell.«
Als Manager sieht Amr Badr den Reformprozess mit Unbehagen: »Die Geschäftswelt hält nichts von solchen Überraschungen. Sie will Planbarkeit.« Als Privatmensch ist er hoffnungsfroh: »Die Menschen wollen Veränderungen. Früher schickte uns Gott Pharaone und Führer. Jetzt gibt er uns Entscheidungsfreiheit.« Wenn das nach 5000 Jahren keine Veränderung ist...
