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Jill Stein acht Stunden angekettet

Als Mitt Romney und Barack Obama zu ihrem zweiten Fernsehduell antreten, wird die grüne Kandidatin Jill Stein in New York verhaftet. Sie verbringt den Abend und einen Teil der Nacht im Gefängnis. In Handschellen an einen Stuhl gekettet. Wahlkampf auf Amerikanisch
von Barbara Jentzsch vom 18.10.2012
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Präsidentschaftskandidatin Jill Stein (rechts) und ihre Vize Cheri Honkala bei ihrer Verhaftung in New York. (Foto: pa/zumapress.com/Brian Cahn)
Präsidentschaftskandidatin Jill Stein (rechts) und ihre Vize Cheri Honkala bei ihrer Verhaftung in New York. (Foto: pa/zumapress.com/Brian Cahn)

Ein Dutzend Polizisten versuchten, sie vom Campus der Hofstra Universität zu drängen, aber da waren sie bei Jill Stein an der falschen Adresse. Die Präsidentschaftskandidatin der US-Grünen ist klein und zierlich, aber alles andere als zerbrechlich. Die 62-jährige Ärztin aus Massachusetts und ihre Vizefrau Cheri Honkala protestierten wenige Stunden vor Beginn der Obama-Romney-Debatte gegen ihren undemokratischen Ausschluss von der Veranstaltung. Stein und Honkala, die sich mit 90 Prozent der »Occupy Wall Street«-Ziele identifizieren, hielten eine große amerikanische Flagge hoch und wichen nicht vom Fleck. Bevor die beiden Frauen wegen »Ruhestörung« verhaftet wurden, konnte Jill Stein eine kurze Erklärung abgeben:

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»Wir stehen hier vor den verschlossenen Toren der Präsidentschaftsdebatten. Wir verlangen eine volle, offene, faire und inklusive Debatte. 85 Prozent der Wähler haben unsere grüne Kampagne auf den Wahlzettel gebracht. 85 Prozent der Wähler verdienen zu wissen, wer 2012 zur Wahl steht und wie die gravierenden Probleme, mit denen wir konfrontiert sind, tatsächlich gelöst werden können. Die Kommission, die über die Präsidentschaftsdebatten entscheidet, verhöhnt die Demokratie mit dieser getürkten Debatte. Wir halten die Kommission für total illegitim. Wenn es demokratisch zugegangen wäre, dann gäbe es die Kommission überhaupt nicht. Dann würden die Debatten weiterhin nach den bewährten Regeln der League of Women Voters (LWV) ausgerichtet werden. Diese Regeln legten fest, dass ein Kandidat, der die Kriterien für den Wahlzettel erfüllt hat, sich in genügend Bundesstaaten durchgesetzt hat, um die nötige Zahl der Wahlmänner zu gewinnen, es verdient hat, gehört zu werden. Und das heißt: Die Amerikaner haben das Recht, Kandidaten zu wählen, die nicht von Multis und Wall Street gekauft und bezahlt werden.«

Beim Stichwort Wall Street ist die Geduld der Campus-Polizei zu Ende: »Ladies, Sie stören Fußgänger und den Fahrzeugverkehr. Wenn Sie hier stehen bleiben, werden Sie verhaftet.« Stein und Honkala rühren sich nicht und werden abgeführt.

Als die »Wall Street-Kreaturen« Romney und Obama zu ihrer Debatte antreten, hat Jill Stein keine Chance, die Konkurrenz unter die Lupe zu nehmen. Sie verbringt den Abend und einen Teil der Nacht im Gefängnis. In Handschellen an einen Stuhl gekettet. Acht Stunden lang. »Wir wurden in einem ausschließlich für solche ›Protestler‹ bestimmten Gebäude festgehalten«, berichtet Stein am nächsten Morgen, als sie auf der alternativen Medienplattform Democracy Now interviewt wird. »Es war eine Art Lagerhaus; sie waren wohl auf einen großen Protest vorbereitet. Wir haben 13 uniformierte und drei Polizisten in Zivil gezählt. Obwohl uns nur ›Gesetzesübertretung‹ – eine geringfügige Straftat – angelastet wurde, und obwohl wir von 13 Polizisten bewacht wurden, bestanden sie darauf, uns zwei Frauen die gesamte Zeit an den Stuhl zu fesseln. Wir baten sie, uns die Handfesseln abzunehmen, aber sie sagten, das ginge nicht, weil wir vielleicht aufstehen und herumwandern würden. Unser Angebot, sitzen zu bleiben, war auch nicht okay. Als die Debatte zu Ende war, wurden wir immer noch nicht entlassen. Und als es dann endlich soweit war, erzählten sie uns, dass wir unser Auto auf dem Parkplatz finden würden. Aber es war nicht unser Wagen, sondern ein Secret Service-Fahrzeug. Wir durften niemanden anrufen. Es gab kein funktionierendes Telefon und wir selbst hatten keines. Unser Handy hatten wir unseren Mitarbeitern gegeben. Ihnen hatte man gesagt, sie würden verhaftet, wenn sie vor Ort auf uns warten würden. Es war also niemand da, um uns abzuholen, und in der Eiseskälte an einer Tankstelle ein Handy zu leihen, das war gar nicht so einfach.«

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Personalaudioinformationstext:   Barbara Jentzsch berichtet seit über dreißig Jahren aus den USA – für Radiostationen, Publik-Forum.de und Publik-Forum. Sie lebt im Bundesstaat Virginia. In ihrem journalistisches Tagebuch begleitet sie den US-Wahlkampf bis zu den Präsidentschaftswahlen am 6. November 2012. Sie finden ihre Beiträge auf Publik-Forum.de unter dem Logo »Romney contra Obama. Tagebuch eines Duells« sowie im Info-Kästchen am Beginn dieses Textes. Einfach auf die Titel klicken!
Schlagwörter: Demokratie Protest
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