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Krippenplätze: Rechnung ohne Wirt

Der Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz ist nicht einzuhalten. Kristina Schröder sollte das zugeben und Übergangsfristen einräumen. Das Betreuungsgeld dagegen wird es wohl schneller geben. So war das nicht gedacht
von Andrea Teupke vom 01.06.2012
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Kinderkrippe oder lieber nicht? Was die Kleinen wollen, wird in der Politik selten zum Thema. Die Erwachsenen machen die Sache unter sich aus. (Foto: photocase/c-promo.de)
Kinderkrippe oder lieber nicht? Was die Kleinen wollen, wird in der Politik selten zum Thema. Die Erwachsenen machen die Sache unter sich aus. (Foto: photocase/c-promo.de)

Ist das Glas nun halb leer oder halb voll? Städte, Landkreise und Gemeinden haben in den vergangenen fünf Jahren 230000 neue Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren geschaffen. Nicht nur aus Sicht der kommunalen Spitzenverbände ist dies eine gewaltige Leistung. Doch wenn im August 2013 der versprochene Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz gelten soll, müssten mindestens noch einmal so viele Plätze geschaffen werden - innerhalb eines dreiviertel Jahres. Manche Schätzungen gehen sogar von einem doppelt so hohen Bedarf aus. Angesichts der chronisch leeren Kassen der meisten Kommunen scheint dieses Ziel jedoch kaum erreichbar.

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Vor fünf Jahren beschloss die damals regierende große Koalition aus CDU und SPD, allen Kindern unter drei einen Betreuungsplatz zur Verfügung zu stellen, falls Eltern dies wünschen. Damals hat sie die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Das rächt sich nun. Bundesministerin Kristina Schröder muss folglich in den sauren Apfel beißen und eingestehen, dass der ehrgeizige Plan vorerst gescheitert ist. Wenn sie den Rechtsanspruch nicht aussetzt oder Übergangsfristen einräumt, wird im August des kommenden Jahres eine Klagewelle auf die Kommunen zurollen - Eltern, die für ihr Kind keinen Krippenplatz bekommen, können das ungeliebte Betreuungsgeld ja in Rechtsberatung investieren, spottete die Süddeutsche Zeitung.

Denn mit den gewaltigen Kosten für Einrichtung und Unterhalt der Kindertagesstätten sind die Kommunen überfordert. Daran kann auch das 10-Punkte-Programm nichts ändern, das Bundesministerin Kristina Schröder nun vorgelegt hat. Die versprochenen zinsgünstigen Kredite sind angesichts der Überschuldung vieler Gemeinden keine Hilfe. Dazu kommt, dass sich geeignete Standorte ebenso wenig aus dem Boden stampfen lassen wie pädagogische Fachkräfte: Besonders in den Großstädten, wo die Nachfrage voraussichtlich am größten sein wird, ist der Markt längst leer gefegt. Und billiger ist der Krippenausbau nicht zu haben; schließlich warnen schon heute Experten, etliche Einrichtungen erfüllten den Tatbestand der Kindeswohlgefährdung.

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Personalaudioinformationstext:   Andrea Teupke ist Publik-Forum-Redakteurin und Fachautorin für Erziehung und Bildung. Mehr über Andrea Teupke lesen Sie hier: http://www.publik-forum.de/wir-ueber-uns/redaktion/andrea-teupke
Schlagwort: Kommunen
Publik-Forum
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