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Religion, eine Friedensmacht?

Lange, viel zu lange, schien es einfach selbstverständlich: Religionen sind Friedenshelden. Sie sind auf Ausgleich und Sanftmut getrimmt, niemals geht Aggression von ihnen aus. Doch die brutale Gewalt des »Islamischen Staates« lässt selbst die Gutgläubigsten am Friedenspotenzial der Religionen zweifeln. Kann Religion überhaupt Frieden? Danach fragt das aktuelle Publik-Forum Dossier. Lesen Sie spannende 24 Seiten mit Klaus von Stosch, Seyran Ates, Lamya Kaddor, Markus Weingardt, Elisa Klapheck und vielen anderen. Jetzt. Und hier
von Britta Baas vom 12.03.2015
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Viel zu lange schien es einfach selbstverständlich: Religionen sind Friedenshelden. Doch die brutale Gewalt des »Islamischen Staates« lässt selbst die Gutgläubigsten am Friedenspotenzial der Religionen zweifeln. Kann Religion überhaupt Frieden? Danach fragt das aktuelle Publik-Forum Dossier. (Foto: Lau/Corbis)
Viel zu lange schien es einfach selbstverständlich: Religionen sind Friedenshelden. Doch die brutale Gewalt des »Islamischen Staates« lässt selbst die Gutgläubigsten am Friedenspotenzial der Religionen zweifeln. Kann Religion überhaupt Frieden? Danach fragt das aktuelle Publik-Forum Dossier. (Foto: Lau/Corbis)

»Religion ist eine Friedensmacht. Wenn nichts mehr hilft, dann helfen religiöse Menschen, einen Konflikt zu lösen, Gewalt zu beenden.«: Dieses harmonische Bild lieben viele.

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Doch Religion wird viel und häufig benutzt, um einen Interessenkonflikt in einen Wertekonflikt zu verwandeln. Menschen – wohl verführt und geschickt angestachelt – gehen mit ihrem Glauben auf die Barrikaden. Sie hassen und morden, sie verachten und grenzen aus. Mit einem heiligen Buch im Gepäck lässt sich vermeintlich fast jede Grausamkeit begründen. »Gott will es!« Mit diesem Ruf sind über Jahrhunderte Kriege geführt worden. Und der Missbrauch Gottes hört auch im 21. Jahrhundert nicht auf.

Und doch: Religionen können auch Friedenshelden sein. Dafür müssen religiöse Menschen allerdings nicht nur den Hass ablegen, sondern auch Ignoranz und Gleichgültigkeit. Menschlichkeit beginnt da, wo die eigene (religiöse) Identität nicht davon abhängig ist, die des Anderen zu missachten oder – noch schlimmer – sie klein zu machen. Wo das Besser-schlechter-Denken aufhört, kann Frieden beginnen. Wo mein Gott nicht der stärkere und wahrere sein muss als deiner, kann Dialog »werden«. Vorher nicht.

Wer heute als religionsbasierter Akteur Friedensstifter sein will, darf sich folglich nicht als Richter über das »Richtige« und »Falsche« aufspielen. Moralische Werturteile kann er getrost für sich behalten. Friedensstifter müssen stattdessen vor allem eines: Vertrauen schaffen. Wer von seinem Gegenüber nicht akzeptiert wird – sei es mit guten oder mit weniger guten Gründen – kann nämlich auch kein Mediator sein.

Wie religiöse Akteure dann direkte, strukturelle und kulturelle Gewalt verhindern oder beenden können, lesen Sie auf 24 Seiten in unserem aktuellen Publik-Forum Dossier »Kann Religion Frieden? Was die Macht der Terrors bricht«.

Wir zeigen: Wenn Friede im umfassenden Sinne auch von den Religionen mit getragen – und zuallererst mit hergestellt – werden soll, müssen sie erst einmal selbst Frieden lernen. Kann das mit einem Gott gehen, der die Keule schwingt und Zornesblitze vom Himmel schickt? Der sich dem einen Volk zuwendet, dem anderen nicht? Der Lieblinge hat und Prügelknaben?

Es wäre hilfreich für religionsgestützte Friedensarbeit überall auf der Welt, wenn die Lehre von Gott »flächendeckend« eine Lehre über Menschenwürde in Vielfalt würde, findet der Theologe Klaus von Stosch, der an der Uni Paderborn ein deutschlandweit einmaliges Zentrum für Vergleichende Theologie leitet. Dort arbeiten Juden, Christen und Muslime eng zusammen. Stosch sagt: »Wenn die künftigen Eliten der Religionen an den Universitäten verbindende Erfahrungen in Ausbildung und Lehre machen, können sie glaubwürdig und nachhaltig in ihren jeweiligen Glaubensgemeinschaften füreinander eintreten. Zugleich können sie dazu beitragen, dass Religionen nicht mehr als Teil gesellschaftlicher Probleme, sondern als Angebote zu ihrer Lösung wahrgenommen werden.«

Es ist nicht ausgemacht, wie man es verhindern kann, das Morden im Namen Gottes. Aber es ist klar, was zu tun ist, um die Religionen zu Friedenkräften zu machen: Sie müssen sich zuerst selbst in Frage stellen. Dieses Dossier gibt Anstöße dazu.

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