Unter geheimer Adresse
Der Weg ins Frauenhaus führt über einen Parkplatz. Dort treffe ich die Frauen, »die Zuflucht bei uns suchen«, hatte die Mitarbeiterin am Telefon gesagt. »Vom Parkplatz aus gehen wir dann zu Fuß zum Frauenhaus, denn die Adresse darf nicht bekannt werden.« Zu groß ist die Gefahr, dass die Männer, vor denen die Frauen geflohen sind, dort unverhofft auftauchen könnten. Auch die Kreisstadt, in der es steht, soll hier deshalb nicht genannt werden. Ein Händedruck, ein kurzer Fußweg, dann schließt die Psychologin Karin Hartmann ein Gartentor auf. Vor dem Eingang der alten, einstmals herrschaftlichen Villa steht ein Kinderwagen. Hartmann hält einen elektronischen Türöffner an ein Kästchen neben dem Eingang. Die Tür geht auf, dann fällt sie schwer wieder ins Schloss. Ein gutes Geräusch für die Frauen, die hier wohnen. Ein Geräusch, das Sicherheit vermittelt. Morgens um neun ist es ruhig im Frauenhaus: Die großen Kinder sind in der Schule, die jüngeren im Kindergarten, nur die ganz kleinen bei ihren Müttern. Zehn Frauen und zwölf Kinder wohnen derzeit in der alten Villa auf drei Stockwerken. Das jüngste ein Baby, das älteste zwölf Jahre alt.
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