Leserbrief
Demokratie in Gefahr
Zu: »Letzte Chance« (5/2025, Seite 12-16)
Bei Wolfgang Thierse merkt man die lange Zusammenarbeit mit der CDU und den ständigen Appell an den Kompromiss. Bei Marina Weisband spürt man die klare Forderung nach Wertorientierung. Nur haben beide Parteien, SPD und Grüne, sich von den Medien jagen lassen. Und wie ambivalent Medien agieren, sieht man in der Fahrattacke in Mannheim. Kaum war bekannt, dass der Fahrer ein Deutscher war, sank das große Interesse. Die Medien müssen aufpassen, dass sie den Schreihälsen nicht Tür und Tor öffnen. Hans Th. Flory, Heidelberg
Wie es Marina Weisband richtig beschreibt: Negative Nachrichten werden öfter geklickt. »So entsteht das Gefühl, alles sei ganz schlimm, obwohl es uns persönlich gutgeht.« Ein Syrer oder Afghane, der auf furchtbarste Weise Kleinkinder ersticht oder mittels Auto in eine Menge fährt, bleibt zehnmal mehr im Gedächtnis haften, als wenn ein Hiesiger solches tut. Robert Steinhäuser? Irgendwo schon mal gehört, Achselzucken! Femizide? Eine interne Familienangelegenheit, die leider etwas aus dem Ruder gelaufen ist. Bange Frage: Unterhöhlt, zerstört sich die Demokratie nicht in dem Maße selber, soweit eine innere Vergiftung einzieht dergestalt, dass zwischen ausgemachten »Putinknechten« und ausgemachten »Nato-Zöglingen« zumindest im zunehmend irrealen, weil reflexionsarmen Internet im Zweifelsfall nicht einmal mehr ein Körnchen Wahrheit passt? Ist Reflexion außer Mode geraten, sprich: das In-den-Fokus-Nehmen zeitübergreifender Prozesse? Helmut Krüger, Potsdam
