Gottes Sohn und Hochverräter
Sie wundern sich, die Bibelforscher. »Dass sehr bald schon nach dem Tod Jesu die Mythenbildung über ihn einsetzte, irritiert uns Exegeten«, stellt Gerd Theißen fest, emeritierter Professor für Neues Testament an der Universität Heidelberg. Man muss sich ja in der Tat fragen, wie es kommt, dass schon rund fünfzig, sechzig Jahre nach dem Tod Jesu von Nazareth seine Anhänger davon sprechen, er sei der »Sohn Gottes«, der erwartete Messias, der »Christus«, also der Retter des Volkes Israel, ja der gesamten Menschheit? Das sind erstaunliche Aussagen über einen Mann, der gerade mal dreißig Jahre alt wurde, immerhin des »Hochverrats« für schuldig befunden und von den Römern gekreuzigt wurde. Was ist da passiert, fragen sich die Exegeten – und nicht nur sie. Auf einer dreitägigen Tagung, veranstaltet von der Katholischen Akademie in Bayern in München, bilanzierten kürzlich renommierte evangelische und katholische Neutestamentler den Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse über den »historischen Jesus«.
Sie haben bereits ein
-Abo? Hier anmelden

