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Lob der Kargheit

Das Bild lehrt lügen. Über das protestantische Misstrauen gegen die Augenschönheiten
von Fulbert Steffensky vom 06.09.2011
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Was liebe ich am Protestantismus?« Ich liebe seine Bilderskepsis. Protestantismus ist schwach in seinen Selbstinszenierungen, er ist bilderschwach. Ich sehe es sofort, wenn ich eine evangelische Kirche betrete. Ich sehe es spätestens am Talar des Pfarrers, diesem unerotischsten aller liturgischen Kleidungsstücke. Diese Schwäche, die viele Protestanten bedauern, ist seine Stärke; seine unbelohnte Stärke, das ist wahr. Denn im Augenblick wird belohnt, wahrgenommen und gewürdigt, was ins Bild gebracht werden kann. Könnte es sein, dass die Wahrheit durch Buntheit ersetzt werden kann? Das Bild untergräbt die Skepsis und überzeugt ohne Argumente und am Nachdenken vorbei. »Das Bild lehrt lügen«, sagt der Prophet Habakuk. Die Geschichte des Fotojournalismus verdeutlicht dies: Sie beginnt mit einer trügerischen Inszenierung. Die ersten veröffentlichten Fotos stammen aus dem Krimkrieg des vorletzten Jahrhunderts. Sie beschönigen den Krieg, sie zeigen ihn nicht von seiner grausamen Seite – es ist ein gemütlicher Safaribericht aus einem fremden Land.

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