Malen, was innen ist
Mit sicherer Hand trägt Franz-Peter Bönisch »Rubbelkrepp« aufs Papier, ein flüssiges Klebegummi, das nach dem Trocknen zunächst übermalt und später wieder abgerubbelt werden kann. Übrig bleiben weiße unbemalte Punkte – es entsteht eine leuchtende, orientalisch anmutende Sternennacht. Bönisch ist manisch-depressiv. Jeden Freitag kommt er hierher in die Malgruppe der Psychiatrieseelsorge in Gießen. Er gehört zum harten Kern der Malenden, die seit Jahren keinen Termin verpassen, obwohl einige von ihnen längst aus der Psychiatrie entlassen sind. »Himmel, Mond und Sterne« heißt das Motto an diesem Abend. An dem Arbeitstisch in dem gemütlichen Raum unterm Dach der Klinikseelsorge entstehen ganz unterschiedliche Versionen dieses Leitmotivs. Bönisch gegenüber sitzt Silvester-Jan Pilch, er malt einen zartblauen Himmel über gelbe Spitzberge. Der evangelische Psychiatrieseelsorger Paulfried Spies gesellt sich zu ihm: »Ist das eine Landschaft, die Sie kennen, in die Sie schon mal gereist sind?« Der Angesprochene lächelt in sich hinein: »Das ist die Heimat – Schlesien.«
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