Ärger über de Maizière
Susanne Philipp ringt immer noch hörbar um Fassung. »Ganz, ganz schlimm« sei die Entscheidung des Evangelischen Kirchentags. Sie hat eine lange Mail an die Kirchentagszentrale in Fulda geschrieben. In der erzählt sie, wie die Familie aus Fürth einen Jungen adoptierte, der unbegleitet und minderjährig aus Afghanistan kam, wie seine posttraumatischen Belastungsstörungen langsam besser wurden. Wie er zusammenbrach, als 2016 sein Asylantrag abgelehnt wurde. Zwei Jahre kämpfte die Familie aus dem Fränkischen ums Bleiberecht für ihren Adoptivsohn. Der Kampf ist mittlerweile gewonnen, die seelischen Wunden sind geblieben. Thomas de Maiziére, der damalige Bundesinnenminister, sei für eine »inhumane Asylpolitik« verantwortlich, schreibt sie. Das Leid der Flüchtlinge sei ihm »vollkommen gleichgültig gewesen«. Und: »Sollte Herr de Maiziére wirklich Präsident des evangelischen Kirchentages werden, ist die evangelische Kirche für mich eine Organisation, mit der ich nichts mehr zu tun haben möchte.«
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