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Katholiken in Frankreich
Das Bollwerk gegen rechts bröckelt

Frankreichs Katholiken wählten lange Zeit die proeuropäischen Mitte-Rechts-Parteien und waren dadurch ein Schutz gegen die extreme Rechte. Das ändert sich gerade. Was ist passiert?
von Yann Raison du Cleuziou vom 15.07.2024
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Die Kathedrale von Chartres: Urbild der französischen Gotik und Treffpunkt für katholische Traditionalisten. (Foto: istock by Getty / Atana Studio)
Die Kathedrale von Chartres: Urbild der französischen Gotik und Treffpunkt für katholische Traditionalisten. (Foto: istock by Getty / Atana Studio)

Am Pfingstsonntag bekamen französische Fernsehzuschauer ein noch nie dagewesenes Spektakel zu sehen. Der Sender CNews, der dem konservativen Milliardär Vincent Bolloré gehört, übertrug live eine Messe mit rund 18 000 Pilgern, die auf Initiative der traditionalistischen Vereinigung Notre-Dame de Chrétienté vor die Kathedrale von Chartres zogen. Der vor Lilienbannern abgehaltene Gottesdienst erinnerte an die konterrevolutionäre Bildsprache der Untergrundmessen während der Schreckensherrschaft von 1793. Die jungen Pilger sangen lateinische Lieder und fielen andächtig auf die Knie. Die Predigt war von einem moralistischen Ton geprägt, der Schmerz, Sühne und Opfer betonte. Von den wohlwollenden Kommentaren des Moderators begleitet, wurde ein Ereignis, das bis dahin den traditionalistischen Rändern vorbehalten war, als katholische Normalität präsentiert. Die Wallfahrt nach Chartres stellte das »Frat« in den Schatten, das gleichzeitig stattfindende Pfingsttreffen der Diözesanseelsorger, dessen Messe vom öffentlich-rechtlichen Sender France 2 übertragen wurde. Diese Episode veranschaulicht die aktuelle Neuformierung des französischen Katholizismus.

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