Glaube an Christus
Der kosmische Christus
Das »Gottesgerücht«, die Vermutung, dass unsere tiefe Sehnsucht nach dem Unendlichen nicht ins Leere läuft, ist offenbar nicht auszutilgen. In den vielfältigen Formen von Religionen und spirituellen Wegen – tastenden Versuchen, das letzte Geheimnis des Daseins zu benennen – nimmt es Gestalt an. Im christlichen Bekenntnis streift die Gottesidee jede Ambivalenz ab: Wer Gott ist, gewinnt für Christinnen und Christen letzte Eindeutigkeit in Jesus von Nazareth, in seinem Lebensschicksal und in der befreienden Praxis der jesuanischen Bewegung. Der tragende Grund allen Seins, der Ursprungsquell, aus dem alles hervorgeht, erweist sich als die bedingungslose Liebe und unendliche Vergebung, die wir mit Jesus zärtlich Abba, lieber Papa, nennen dürfen. Gott erweist sich als der, dessen Liebe zuallererst den Ausgegrenzten, den Armen und Leidenden gilt, denen eine Gesellschaft verheißen ist, in der alle Platz haben (Reich Gottes). Die christologischen Dogmen in ihren kaum mehr nachvollziehbaren philosophischen Kategorien haben letztlich keinen anderen Sinn, als diese Konkretisierung der Gottesidee zu bewahren.
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Leonardo Boff, geboren 1938, ist einer der bekanntesten Vertreter der Befreiungstheologie. Er lebt in Brasilien. Näher ausgeführt werden diese Gedanken in Boffs Büchern »In ihm hat alles Bestand. Der kosmische Christus und die modernen Naturwissenschaften« (Topos Plus, 2013) und in Mark Hathaway / Leonardo Boff, »Die Weisheit des Kosmos. Ein zukunftsweisendes Weltbild« (LIT, 2021)

