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Islam
Die Macht der bösen Blicke

»Ich werde dir 9/11 nie verzeihen«: Wie Fremdzuschreibungen die Eigenwahrnehmung von Muslimen verändern
von Michael Schrom vom 15.09.2021
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 Feindbild Islam: Demonstration gegen die angebliche »Überfremdung« durch Muslime. (Foto. pa/Seidel)
Feindbild Islam: Demonstration gegen die angebliche »Überfremdung« durch Muslime. (Foto. pa/Seidel)

Manchmal fühlt sich Ozan Keskinkilic als Pressesprecher des Islam. Nicht weil er diese Rolle angestrebt hätte, sondern weil sie ihm aufoktroyiert wird. Immer wieder erhält der Politikwissenschaftler und Lyriker über die sozialen Medien Zuschriften von »besorgten Bürgerinnen und Bürgern«. Meist sind sie kurz, knackig und feindselig. »Ich werde dir 9/11 nie verzeihen.« So als ob Keskinkilic persönlich die Anschläge zu verantworten hätte. Der Islam »funktioniert wie eine Mülltonne, in die Probleme entsorgt werden können, um den Rest der Gesellschaft von seiner Verantwortung freizusprechen und das eigene Gewissen reinzuwaschen«, schreibt Keskinkilic genervt in seinem neuen Buch »Muslimaniac« (Edition Körber). »Ich muss beweisen, dass ich kein böser Muslim bin, sondern die freiheitlich-demokratische Grundordnung achte. Immer wieder stehe ich unter dem Druck, meine Zugehörigkeit unter Beweis zu stellen. Aber das Integrationsversprechen löst sich einfach nicht ein.« Er habe lange gebraucht, »um zu verstehen, dass das Problem nicht bei mir liegt. Es ist der Blick, der mich zum Fremden macht.«

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Schlagwörter: Islam Soziologie Vorurteile
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