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Eintracht, Borussia und der liebe Gott

Gelb und schwarz, Rot-weiß-schwarz und »You ll’ never walk alone« – seit Samstagfrüh wird Berlin rund um die Gedächtniskirche nicht mehr vom Orange der Kirchentagsbesucher bestimmt, sondern von den Vereinsfarben der beiden Pokalfinalisten, Borussia Dortmund und Eintracht Frankfurt
von Thomas Seiterich vom 27.05.2017
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Gott ist ein Fußballer! Heute in Berlin. (Foto: pa/westend61/Tamboly)
Gott ist ein Fußballer! Heute in Berlin. (Foto: pa/westend61/Tamboly)

Gelb und schwarz, Rot-weiß-schwarz und »You ll’ never walk alone« – seit Samstagfrüh wird das Berliner Zentrum rund um die Gedächtniskirche nicht mehr vom Orange der Kirchentagsbesucher bestimmt, sondern von den Vereinsfarben der beiden Pokalfinalisten, Borussia Dortmund und Eintracht Frankfurt.

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Am Gedächtnisaltar für die Menschen, die dem IS-Attentat vom letzten Dezember genau hier zum Opfer gefallen sind, brennen hunderte Grablichter, stehen einige Kreuze. Und an denen hängen Borussia-Fan-Schals. Ein Eintracht-Schal liegt zwischen den frischen Blumen, die Fußballfans aus Frankfurt mitgebracht und niedergelegt haben. Die Menschen tragen das Trikot ihres Vereins, Hunderte stehen still und nachdenklich in der Sonne vor den Bildern der Getöteten vom Dezember.

Um 11.30 Uhr startet der »DFB-Final-Gottesdienst«. Leider nicht unter freiem Himmel auf der großen Bühne auf dem Breitscheidplatz. Dort hätten Tausende Fans und Kirchentags-Fußballfreunde locker mitfeiern können. Doch die Planer von Kirchen und Deutschem Fußballbund (DFB) haben früh die Weichen gestellt und sich dazu entschlossen, »Gottesdienst as usual« zu feiern, wie jedes Jahr zum deutschen Pokalfinale in Berlin. Sie ziehen den Kreis zu klein. Schade.

Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche ist dann rappelvoll. Bedauerlicherweise gibt es keine Ton- und Bild-Übertragung nach draußen. Ich halte das für einen Fehlpass, für eine vergeben Chance. Gleichwohl ist die Feier beeindruckend. DFB-Präsident Reinhard Grindel bekennt sich als Christ und liest aus einem der Paulusbriefe vor. Ein Polizist, eine Freiwillige und Fans aus beiden Vereinen berichten. Wie zu erwarten, positionieren sie sich gegen Gewalt in jeder Form.

Dem evangelischen Sportbischof Volker Jung geht es in seiner Predigt um die Versuchungen, die im Profisport stecken. Er lobt die Gefühle, das Trainieren, das Sich-Vorbereiten und Gewinnen-Wollen. Und er beklagt die Gier nach dem ganz großen Geld. Allein, der Hessen-nassauische Kirchenpräsident Jung spricht zu lang – so wie in einem ganz normalen evangelischen Sonntagsgottesdienst.

Als sich beim Vater Unser dann alle Schulter an Schulter einhaken, ganz so wie eine Fußballmannschaft für das Mannschaftsfoto, ist die Wärme unter den knapp tausend Mitfeiernden wieder da. Fußball hat viel von einem Kirchentag: Es ist eine Zeit der Unterbrechung des profanen Alltags. Es ist das Besondere, das Beglückende. Es ist das Gefühl, zu sehen – und gesehen zu werden. Nicht allein zu sein in dieser Welt mit ihren vielen An- und Überforderungen. Sondern Menschen um sich zu haben,von denen man ahnt: Sie fühlen in vielem wie ich. Ich bin bei ihnen – und mit ihnen – zuhause.

Zurück in die Sonne. Das Biene-Maja-Gelb der Dortmunder Anhänger dominiert auf den Straßen und Plätzen. Dazwischen ein wenig Eintracht vom Main. Doch alle in fröhlicher Erwartung auf ein großes Fußballspiel.

Und das geht später 2:1 für Dortmund aus. Wessen Anhänger man auch immer ist: Die Eintracht unter Fußballfans wird bleiben.

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Schlagwort: Kirchentag
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