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Erster Geburtstag

von Andreas Hoffmann, Merzenich
vom 24.11.2020
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Das abgestellte Rad einer rumänischen Fremdarbeiterin, die aufgrund von Covid-19 für 14 Tage in Quarantäne ging. (Foto: Andreas Hoffmann)
Das abgestellte Rad einer rumänischen Fremdarbeiterin, die aufgrund von Covid-19 für 14 Tage in Quarantäne ging. (Foto: Andreas Hoffmann)

Ich spüre die Fessel,
die benötigte Sauerstoffzufuhr, begrenzt
steigender Blutdruck ohne jedwede medizinische Indikation
ich muss raus, raus und laufen, wohin?

Ich spüre die Ängste,
nebelartige Fetzen in meinen Kleidern
in den Schuhen sondert sich der Angstschweiß
ich muss raus, raus und barfuß laufen, wohin?

Ich spüre die Unzufriedenheit,
krauchendes Ungeheuer zwischen den Rippen
wie bei einer schleichenden Vergiftung
ich muss raus, raus und mich häuten, wozu?

Ich spüre die Einsamkeit,
tödliche Stille zwischen den Schulterblättern
bewegen und bücken ohne Sport macht sich bemerkbar
ich muss raus, raus und mich bewegen, warum?

Ich wende den Blick gen Himmel, suche Liegengebliebenes, auch auf dem Acker

Ich hocke mich vor den Herbstbusch, rieche die wohlige, nahrhafte Verwandlung

Ich falte die Hände vor meinem Herzen, entlasse das Pochen in die Welt

Danke, Leben, danke.

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Alle Beiträge des Erzählprojektes »Die Liebe in Zeiten von Corona«

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