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Spiritualität der Einsamkeit
Für sich sein – zu sich kommen

Einsamkeit hat viele Facetten. Nicht alle sind negativ. Eine spirituelle Horizonterweiterung
von Johann Hinrich Claussen vom 03.07.2022
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Urbild des frommen Einsiedlers: Der heilige Antonius (Reproduktion: pa/Heritage Images)
Urbild des frommen Einsiedlers: Der heilige Antonius (Reproduktion: pa/Heritage Images)

Es wäre endlich, im nun dritten Jahr der Corona-Pandemie, an der Zeit, miteinander mehr und anders über Einsamkeit zu sprechen als bisher. So viele Menschen haben ganz neu die Erfahrung des Isoliertseins gemacht, bei vielen anderen, denen diese Erfahrung leider schon höchstvertraut war, hat sie sich vertieft und verfestigt. Das müsste doch die Möglichkeit eröffnen, sich ohne Scham darüber auszutauschen, was das eigentlich ist und was es zu bedeuten hat: allein zu sein. Einsamkeit hat verschiedene Gesichter und Geschichten. Deshalb kann sie sehr unterschiedlich erlebt und bewertet werden: als plötzlich hereinbrechendes Unglück, als chronisches Leiden, als Lebenstragik, als notwendiges Übel, als Schwellen-Schmerz, als Voraussetzung einer Neubesinnung, als heilsame Unterbrechung, als erfüllte Zeit. Es kann, muss aber nicht notwendig nur ein Unglück sein, allein zu sein. Manchmal wird es als Glück erlebt: Endlich bin ich für mich! Jetzt kann ich zu mir kommen!

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