Terror in Nigeria
»Gott mag keine Armen«
Fanatisierte junge Muslime lynchen Deborah Samuel Yakubu, eine Christin, die am Shehu Shagari College in Sokoto studierte, der nordwestlichen Regionalhauptstadt Nigerias. In Owo, im Südwesten des Landes, dringen mit Sprengstoff und Maschinengewehren bewaffnete Mörder am Pfingstsonntag in die katholische St. Francis-Kirche ein und schießen wahllos auf Gläubige. Die genaue Zahl der Opfer stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest, man spricht von mindestens 50 Toten. Diese zutiefst verstörenden Nachrichten scheinen alle Vorurteile zu Nigeria zu bestätigen: Muslime verfolgen systematisch Christen; der »Islamic State West Africa Province« schickt sich an, den Staat zu überrollen. Doch oft spielt die Religion bei der Gewalt im Land nur eine untergeordnete Rolle. Häufiger sind Bandenkämpfe die Ursache, gepaart mit ethnisch gefärbten Macht- und Verteilungskämpfen, und die grassierende »normale« Schwerkriminalität.
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Heinrich Bergstresser ist Politologe, Afrikanist und freier Journalist. Vor wenigen Wochen kehrte er von Recherchen aus Nigeria zurück. 2018 erschien sein Buch »Nigeria. Die IV. Republik zwischen Demokratisierung, Terror und Staatsversagen« im Brandes & Apsel Verlag.

