»Gott, was willst du von mir?«
Motaz Salha, 35, war vor seiner Flucht Englischlehrer in Damaskus: »Bis heute glaube ich nicht, dass Gott existiert. Und vermisse nichts. Meine Kraft schöpfe ich aus meiner Lebenserfahrung, da brauche ich keine Religion und auch kein Gebet. Auch auf der Flucht über das Mittelmeer und dann durch sieben Länder habe ich das so empfunden: Immer wieder konnte ich mich auf Menschen verlassen. Das ist wohl das Wichtigste. Wie auf meinen christlichen Freund Muhannad aus Aleppo ... Ich finde es gut, dass er so anders ist. Verschiedenheit ist Reichtum.«
Felicitas Hoppe, 55, Schriftstellerin: »Manchmal, wenn ich streitlustig bin, frage ich (obwohl ich die Antwort längst kenne) von unten nach oben: »Was willst du von mir?«Ich bete im Tunnel, im Zug und im Fahrstuhl, weil ich immer noch Angst habe, stecken zu bleiben; ich bete im Gehen und auf der Straße, halblaut und leise, ohne dabei jemandem aufzufallen, denn vermutlich hält man mein Gebet für nichts als ein lautloses Selbstgespräch. Doch an Selbstgespräche glaube ich nicht ... Mein Lieblingsgebet ist das Vaterunser ... Ich bin immer wieder darüber erstaunt, dass sich das, worauf es mir wirklich ankommt, tatsächlich in ein Gebet fassen lässt, das ich niemals selbst erfinden könnte.«
Manuela Schwesig, 42, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: »Das Beten habe ich erst als Erwachsene entdeckt. In meiner Kindheit in der ehemaligen DDR spielte Kirche für mich keine Rolle. Den Glauben an Gott habe ich über Menschen kennengelernt, die sich in der Zeit der Wende engagiert haben. Ihr Gottvertrauen hat ihnen Kraft gegeben, und das hat mich beeindruckt ... «
Außerdem im Dossier »Warum ich (nicht) bete«: Bodo Ramelow, Ursula von der Leyen, Winfried Kretschmann, Elisa Klapheck, Tilmann Moser, Christel Neudeck, Milad Karimi, Elias Bierdel u.a.
