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Heizer: »Ich werde gehen, wenn es die Mehrheit will«

Wegen privater Eucharistiefeiern ohne Priester wurden Martha und Gert Heizer vergangene Woche exkommuniziert. Die katholische Kirche spricht von einer Selbst-Exkommunikation der beiden, die jetzt bestätigt worden sei. Im Interview mit Publik-Forum.de sagt Martha Heizer, warum sie diese Strafe riskiert hat, weshalb sie vom Bischof ihrer Diözese Innsbruck enttäuscht ist und welche Folgen die Exkommunikation für ihr Engagement bei »Wir sind Kirche« hat
von Michael Weiß vom 27.05.2014
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Martha Heizer (Foto) spricht über die Folgen ihrer Exkommunikation: "Ein Gesprächsangebot des Bischofs hat es nie gegeben." (pa/Tarantino)
Martha Heizer (Foto) spricht über die Folgen ihrer Exkommunikation: "Ein Gesprächsangebot des Bischofs hat es nie gegeben." (pa/Tarantino)

Frau Heizer, Sie haben bereits öffentlich klargestellt, dass Sie weder das kirchliche Verfahren gegen Sie und Ihren Mann noch die Exkommunikation akzeptieren. Was bedeutet das konkret in der Praxis?

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Martha Heizer: Das weiß ich selbst noch nicht genau. Wir werden jedenfalls weiterhin ganz normal am kirchlichen Leben teilnehmen. Das ist uns ja auch nicht verboten, schließlich sind wir nach wie vor Teil der Kirche. Das hat ja auch Bischof Scheuer sehr eindringlich festgestellt, dass die Exkommunikation zwar einen Ausschluss von den Sakramenten bedeutet, nicht aber aus der Kirche.

Wie kam es überhaupt dazu, dass sie diese Eucharistiefeiern abhielten?

Martha Heizer: Wir gehören seit 25 Jahren zu einem kleinen Gebetskreis. Früher war auch immer unser Pfarrer dabei. Wir haben von Zeit zu Zeit mit ihm Eucharistie gefeiert, das war ganz normal. Leider ist dieser Pfarrer dann verstorben und seine Nachfolger konnten oder wollten nicht regelmäßig kommen. Wir haben dann gut zehn Jahre nur Wortgottesdienste gefeiert, weil auch in unseren Köpfen stark verankert war, dass alles andere nur einem Priester zusteht.

Warum hat sich das dann verändert?

Martha Heizer: Wir haben einfach gemerkt, dass uns etwas fehlt. Wir haben begonnen zu überlegen, warum wir es nicht einfach tun. Wir haben die Bibel durchforstet und viel und ausführlich darüber diskutiert. Und dann haben wir beschlossen, den Heiligen Geist zu bitten, dass er die Gaben wandelt.

Wäre es nicht klüger gewesen, zumindest offiziell bei den Wortgottesdiensten zu bleiben?

Martha Heizer: Natürlich wäre alles viel einfacher, wenn wir einfach einen Wortgottesdienst mit anschließender Agape feiern würden. Wir sagen aber ganz deutlich, dass wir auf die Wandlung nicht verzichten wollen. Diese Feiern haben für uns einfach eine ganz andere Qualität als der Gottesdienst in der Gemeinde. Wir erfahren das Geheimnis der Eucharistie in einer sehr viel intensiveren und persönlicheren Art. Es ist nicht vergleichbar. Und ich sehe nicht ein, warum wir auf das verzichten sollen, wenn es uns doch so gut tut.

War Ihnen schon von Anfang an bewusst, welche Folgen ihr Handeln haben könnte?

Martha Heizer: Wir haben gewusst, dass man nicht darüber sprechen sollte. Aber als wir dann im Zuge der Diskussion über den »Aufruf zum Ungehorsam« der Pfarrerinitiative von einer Journalistin gefragt wurden, ob wir das auch im Fernsehen zeigen würden, sind wir zu dem Schluss gekommen, dass wir dazu stehen müssen. Ich habe das auch Bischof Scheuer mitgeteilt, der mich sofort darauf aufmerksam gemacht hat, dass er dann handeln muss.

Also haben Sie schon vor drei Jahren mit der Exkommunikation gerechnet?

Martha Heizer: Wir mussten damit rechnen. Das ist nun einmal die normale Vorgehensweise laut Kirchenrecht. Allerdings steht dort etwas von einer »gerechten Strafe«, nicht direkt von einer Exkommunikation. Wir haben also schon gehofft, dass wir vielleicht mit etwas Fantasie zu einer anderen Lösung kommen könnten. Aber der Bischof hat nie mit uns gesprochen.

Der Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer sagt, sie hätten mehrmals die Möglichkeit bekommen, zu widerrufen. Das stimmt also nicht?

Martha Heizer: Ein Gesprächsangebot hat es nie gegeben, nur Briefe – wobei allerdings nie auf unsere Argumente eingegangen wurde. Wir bekamen nur drei Möglichkeiten: zu sagen, dass wir nicht wussten, was wir tun – was nicht stimmt; zu sagen, dass es uns leid tut, was schon gar nicht stimmt, weil es einfach so wunderschön ist; oder zu sagen, dass wir es nie wieder tun werden – auch das konnten wir nicht.

Also ist Bischof Scheuer für die Exkommunikation verantwortlich und nicht Rom?

Martha Heizer: Bischof Scheuer sagt zwar, es sei eine Niederlage für ihn, dass er uns nicht umstimmen konnte, aber ich habe das Gefühl, er hat es einfach nie probiert. Es kursieren ja auch Behauptungen, dass Kardinal Müller, der Chef der Glaubenskongregation, hier ein Exempel hätte statuieren wollen. Davon halte ich aber überhaupt nichts. Wir haben aus Rom nur einen Brief bekommen, mit dem uns mitgeteilt wurde, dass die Diözese mit dem Verfahren beauftragt wurde. Und so war es dann auch. Rom hatte damit dann nichts mehr zu tun.

Was bedeutet die Exkommunikation in Bezug auf Ihr kirchenpolitisches Engagement? Ihr Vorgänger an der Spitze von »Wir sind Kirche« Österreich, Hans Peter Hurka, hat Ihnen ja zuletzt sogar zum Rücktritt geraten...

Martha Heizer: Ich werde das bei unserer Vorstandssitzung am Pfingstdienstag zur Sprache bringen und werde natürlich gehen, wenn sich die Mehrheit dafür ausspricht. Das glaube ich aber nicht, denn die Unterstützung, die ich in den letzten Tagen erfahren habe, ist beachtlich. Natürlich gibt es auch Leute, die sich negativ äußern, aber die überwiegende Mehrheit steht hinter mir. Ich verstehe schon, dass das nicht alle mittragen können, aber das müssen sie ja auch nicht. Diese Feiern sind meine Privatsache und haben mit der Plattform nichts zu tun.

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Personalaudioinformationstext:   Michael Weiß, geboren 1985, lebt in Wien und arbeitet als Online-Redakteur für die Religionsabteilung des Österreichischen Rundfunks (ORF) sowie als freier Journalist unter anderem für die Wochenzeitung »Die Furche«.
Schlagwort: Kirchenrecht
Publik-Forum
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