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Indiens Männerproblem

Der Hinduismus prägt Indiens Alltag. Religiöse Reformen gab es immer wieder. Doch heute stehen traditionelle Werte hoch im Kurs – schlecht für die Frauen. Die Indologin Xenia Zeiler sagt über die öffentliche sexuelle Gewalt, die täglich zu erleben ist: »Männer bestrafen Frauen offenbar dafür, dass sie die traditionelle Ordnung durchbrechen.« Wie in einem krassen aktuellen Fall, der gerade vor Gericht verhandelt wird
von Britta Baas vom 28.01.2013
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Eine »Devadasi« und ihr Partner: Die früher hoch geachteten Tempeltänzerinnen wurden 1947 per Dekret ihrer Arbeit beraubt. Trotzdem gibt es sie weiterhin. Heute folgt auf eine Weihe im Kindesalter unweigerlich eine Zukunft als Prostituierte. (Foto: pa/ Kiran)
Eine »Devadasi« und ihr Partner: Die früher hoch geachteten Tempeltänzerinnen wurden 1947 per Dekret ihrer Arbeit beraubt. Trotzdem gibt es sie weiterhin. Heute folgt auf eine Weihe im Kindesalter unweigerlich eine Zukunft als Prostituierte. (Foto: pa/ Kiran)

In Indien läuft ein weltweit beachteter Prozess gegen eine Gruppe von Männern, die eine 23-jährige Studentin zu Tode vergewaltigten. Ähnliche Taten werden wöchentlich neu bekannt. Indien hat ein Männerproblem, analysiert die Indologin und Religionswissenschaftlerin Xenia Zeiler die Lage: Es würden »patriarchale Grundsätze gelebt«; die strikte Rollenzuweisung an Männer und Frauen sei durch den orthodoxen Hinduismus vorgegeben. Und der erstarke seit einiger Zeit wieder – als Reaktion auf die Globalisierung.

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Keine Chance für Frauen? Bleiben sie in einem Land, dass formal eine Demokratie ist und die Geschlechter im Gesetz als gleichberechtigt definiert, Menschen zweiter Klasse? Orthodoxer Hinduismus und Demokratie: Die gelebten Leben dieser zwei Welten wollen nicht zusammen passen. »Der aktuelle Vergewaltigungsfall wird in der indischen Gesellschaft jetzt zum Anlass genommen, darüber zu diskutieren, wie man die Diskrepanz zwischen emanzipierter, globalisierter Urbanität und traditionsverhafteten, hinduistisch-orthodox geprägten Strukturen auflösen kann. Das ist ein Prozess, der gerade erst beginnt«, sagt Xenia Zeiler im Publik-Forum-Interview (2/2013).

Xenia Zeiler ist sicher: »Der orthodoxe Hinduismus wird dabei nicht auf der Strecke bleiben. Er hat schon viele Reformbewegungen überstanden. Es gibt auch im modernen Indien immer noch eine Schicht, die nach seinen Prämissen leben möchte.«

Indiens Frauen haben es also schwer damit, sich als emanzipierte Frauen in der Gesellschaft einzurichten. Noch schwerer ist es offenbar für sie, dabei nicht die eigene Religion zu verlieren: »Indiens Frauenbewegung«, sagt Zeiler, sei »eher nicht religiös«. Wie auch? Vorbilder eines Reform-Hinduismus, »der Individualität und Emanzipation mitdenkt«, muss frau suchen. Sie braucht Glück – und die richtigen Begegnungen zum richtigen Zeitpunkt: »Religionsweitergabe in Indien geschieht vor allem durch private Initiativen – durch Gruppen, die sich treffen, durch Gurus, deren Lehren man lauscht.«

Mehr über Indiens Frauen, Sex und Religion, Tempel-Besuche und die Macht der Brahmanen lesen Sie im Interview mit Xenia Zeiler in Publik-Forum 2/2013.

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