Klare Kante, neue Hoffnung
Manchmal gibt es im Fußball das Phänomen, dass eine Mannschaft vor fremdem Publikum sich mehr zutraut als vor heimischer Kulisse. Für den Katholikentag im säkularisierten Leipzig, wo sich nur zwanzig Prozent der 500 000 Einwohner zum Christentum bekennen und vier Prozent katholisch sind, trifft diese Beobachtung in mehrerer Hinsicht zu.
Es war ein atmosphärisch wie thematisch dichtes Treffen – im Fußball würde man sagen: eine geschlossene Mannschaftsleistung – mit klaren Schwerpunkten. Entschieden verteidigt wurden die europäische Idee und eine humane, gastfreundliche Haltung gegenüber Flüchtlingen. Obwohl zum Auftakt etliche Journalisten dem Katholikentreffen vorwarfen, es drücke sich um eine Auseinandersetzung mit der AfD, konnte man das in programmatischer Hinsicht gerade nicht behaupten. Akribisch arbeiteten sich etliche Podien am Parteiprogramm ab.
Die Nichteinladung der AfD war ein klares Zeichen
Und auf die Frage, warum keine AfD-Politiker auf der Bühne zu sehen waren, ist mit der Gegenfrage zu antworten: Warum sollte man auf einem Christentreffen jenen eine Bühne bieten, die Angst schüren und Wut verkündigen? Die Nichteinladung war ein klares Zeichen nach außen, das nicht mit Feigheit oder Gesprächsverweigerung gleichzusetzen ist. Interessant auch, dass AfD-Vize Alexander Gauland postwendend die strategische Annäherung an die Kirchen für beendet erklärte. Seine Partei verteidige nicht »das Christentum im religiösen Sinn«, sondern kämpfe für »das von den Vätern Ererbte«, erklärte er. Das Christentum sei dafür »nur eine Metapher«. Manchmal schafft eine »klare Kante« eben auch Klarheit – auf beiden Seiten.
Ein Katholikentag, den man mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung vergleichen kann, erweckt Argwohn. Von einem erwartbaren katholischen Selbstgespräch war die Rede, von einer Harmoniefalle bei der Auswahl der Diskutanten und davon, dass man sich der Verunsicherung nicht aussetzen wolle, nach dem Motto: »Da gucken wir jetzt aber nicht hin.«
Harmoniesoße? Selbstgespräch? Davon konnte in Leipzig keine Rede sein. Aber was zeichnete den Katholikentag aus? Was fiel auf? Was war problematisch? Und wo zeigte er klare Kante? Das erfahren Sie im neuen Publik-Forum, das am Freitag, 10. Juni, erscheint. Zwölf Seiten widmen wir in der neuen Ausgabe dem katholischen Laientreffen in Leipzig. Den Überblickstext von Ressortleiter Religion & Kirchen, Michael Schrom, können Sie schon jetzt hier mit einem Digitalabo online lesen: »Klare Kante, neue Hoffnung«.
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