Konflikt ums Credo: Das Publik-Forum Dossier
Selten hat eine Auseinandersetzung so viele Leserbriefe ausgelöst wie die kontroversen Beiträge zur Frage, ob im Gottesdienst ein gemeinsames Bekenntnis des Glaubens heute noch sinnvoll ist (Publik-Forum 1 und 3/2012). Angestoßen hat diese Debatte die Evangelische Akademikerschaft in Berlin-Brandenburg. Kann man heute noch das Apostolische Glaubensbekenntnis zusammen beten, wenn man doch weiß, dass viele Christen einzelne Glaubensartikel nicht mehr verstehen oder sogar ablehnen? Sind die Glaubensvorstellungen unter den Christen nicht viel zu unterschiedlich, als dass man sie in ein gemeinsames Bekenntnis gießen könnte?
Während für die einen klar ist, dass man heute um der Ehrlichkeit und der Authentizität des Einzelnen willen auf das gemeinsame Credo verzichten sollte, ist die Debatte für andere typischer Ausdruck einer Gesellschaft, in der sich alles nur noch um das Individuum dreht. Die einen empfinden die Debatte sogar als defätistisch, weil sie die Grundlagen des Christentum zerstöre; die anderen atmen auf, weil sie ihre persönlichen Schwierigkeiten mit der offiziellen Glaubenssprache ernst genommen sehen.
In diesem Dossier vertiefen wir die offenen Fragen rund um das gemeinsame Bekennen (im Gottesdienst): Wie ist es, historisch betrachtet, überhaupt zur Formulierung des Credos gekommen? Was ist an diesem Prozess positiv, was eher negativ zu sehen? Welche Formen des gemeinsamen Glaubensbekenntnisses gibt es? Wie stellt sich das Problem aus Sicht eines lutherischen Theologen in kirchenleitender Position dar? Was passiert da überhaupt, wenn Menschen gemeinsam ein Bekenntnis sprechen? Wie verhalten sich traditionelles »Wir-Bewusstsein«, modernes »Ich-Bewusstsein« und »gewandeltes Wir-Bewusstsein« zueinander – nicht nur im Raum der Kirche? Warum suchen die reformierten Landeskirchen in der Schweiz in einem landesweiten Beratungsprozess plötzlich wieder nach einem gemeinsamen Bekenntnis? Und was kann ein kritischer Blick in die Bibel, die Rückbesinnung auf den Impuls Jesu, zur Frage des Bekennens beitragen?
In diesem Dossier finden sich ganz unterschiedliche Positionen. Vielleicht helfen sie, das eigene Urteil zu bestärken – oder auch zu verändern.
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Margot Käßmann: »Ich finde das Credo großartig und bewegend«
Rudolf Bultmann: »Ich habe immer Worte aus der Bibel genommen«
Barbara Tambour: IM HAUS DES GLAUBENS. Das gemeinsame Bekennen heißt immer auch Handeln
Henning Olschowsky: DAS GEWANDELTE WIR. Heute dominiert das kritische Ich-Bewusstsein
Friedrich Schorlemmer: »Ich bekenne mein lebendiges Vertrauen«
